Implantologie

Deutsche Gesellschaft für Implantologie

Die DGI kann Fortbildung digital

Die Covid-19-Pandemie hat viele Planungen durchkreuzt, auch die Weiterbildungsprogramme medizinischer Fachgesellschaften. In den vergangenen Monaten jagte eine Absage die nächste: Jahrestagungen, Kongresse, Curricula und Messen, sie alle mussten annulliert oder verschoben werden. Was zunächst ein Schock war, führte aber nicht zwangsläufig zum Zusammenbruch des gesamten Fortbildungsangebots. Die Krise beförderte auch neue kreative Ideen und die Weiterentwicklung digitaler Angebote, wie uns Dr. Christian Hammächer, Fortbildungsreferent im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Implantologie e.V. (DGI) verriet.

Herr Dr. Hammächer, als Fortbildungsreferent der DGI sind Sie verantwortlich für die Fortbildung in der Fachgesellschaft. Wie stressig waren die letzten Monate für Sie?
Dr. Christian Hammächer: Der „Shutdown“ hat unser Fortbildungsangebot mit ganzer Wucht getroffen. Wir mussten alle Präsenzveranstaltungen der DGI sowie Module unseres Curriculums, das wir mit der Akademie Praxis und Wissenschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (APW) anbieten, bis Anfang Juni absagen beziehungsweise auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Das betraf auch unser neues Format „DGI Special“, ebenso wie den 34. Kongress der DGI, der im Oktober gemeinsam mit der 29. wissenschaftlichen Tagung der European Association for Osseointegration (EAO) in Berlin stattfinden sollte. Dadurch ist für unser Team im Ressort Fortbildung deutlich mehr Arbeit angefallen. Teilnehmer, Referenten und Veranstaltungsorte mussten kontaktiert und Ausweichtermine gefunden werden. Besonders brenzlig war dies beim Curriculum, weil die Pandemie drohte, die Kontinuität der Fortbildung zu unterbrechen. Wir haben gemeinsam mit der APW für Teilnehmer, Referenten und die Industrie etwa Informationen über die behördlichen Vorgaben für Veranstaltungen in der Corona-Krise erstellt. Resümierend kann ich sagen, dass die letzten Monate sehr arbeitsintensiv und von einer kontinuierlichen Anpassung der Planungen an sich ständig verändernde Rahmenbedingungen geprägt waren, in denen wir aber auch Pionierarbeit im Digitalen geleistet haben. Momentan fahren wir die Präsenzveranstaltungen wieder langsam hoch, aber natürlich unter besonderen Schutzvorkehrungen, wobei es weiterhin ein „Fahren auf Sicht“ bleibt.

Inwieweit konnten Sie die DGI-Fortbildungen ins Digitale verlagern, und wie sah die angesprochene Pionierarbeit aus?
Hammächer: Wir haben in dieser Zeit unsere digitalen Angebote weiterentwickelt. Besonders hervorzuheben ist ein Web-Seminar am 25. März mit Professor Zhuan Bian aus Wuhan, der über die Erfahrungen der Kollegen im chinesischen Epizentrum der Krise berichtete und mit den Teilnehmern diskutierte. Trotz des kurzfristig anberaumten Termins verfolgten mehr als 9.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland das Webinar und zeigten damit den großen Informationsbedarf, der in der Zahnärzteschaft zu dem Thema bestand. Wir haben darüber hinaus eine DGI-Reihe mit insgesamt fünf Web-Seminaren zu unterschiedlichen Themen konzipiert und auf den Weg gebracht. Außerdem haben Professor Stefan Wolfart und ich erstmalig zwei jeweils zweitägige Wochenendkurse im Rahmen des Curriculums Implantologie komplett online angeboten. Diese Online-Seminare waren aufgrund ihrer Dauer eine besondere Herausforderung, die aber eine überraschend gute Resonanz hatten.

Wie sehen die Schutzvorkehrungen aus, die sie bei Präsenzveranstaltungen derzeit ergreifen?
Hammächer: Alle Teilnehmer, Referenten, Industriepartner, Hotels und das Catering werden angeschrieben und über die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln informiert, etwa über die Anforderungen an die Raumgrößen. So konnte Professor Michael Stimmelmayr kürzlich mit unserem Hygienekonzept in seiner Präsenzfortbildung sogar Hands-on-Übungen durchführen.

Mit neuen Formaten, wie der Implant Wave und dem Startup in die Implantologie, will die DGI besonders den zahnärztlichen Nachwuchs ansprechen. Auch diese Veranstaltungen wurden abgesagt, haben Sie schon Alternativen entwickeln können?
Hammächer: Das Startup und die Implant Wave sind aus meiner Sicht zu Recht abgesagt worden, beide Veranstaltungen können aber hoffentlich im kommenden Jahr nachgeholt werden. Der DGI-Event am 1. Advent im Europapark Rust, der derzeit sowohl als Präsenzveranstaltung als auch als Onlinekongress geplant wird, sieht eine besondere Einbindung der jüngeren Kolleginnen und Kollegen sowie des dentalen Nachwuchses vor. Wir wollen die Vorträge nicht nur live in ausgewählte Hochschulen streamen, sondern auch sicherstellen, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen Fragen stellen und über das Gesehene danach mit Betreuern an ihrer Hochschule diskutieren können. Dies ist sicher ein neues Format und Konzept, um den Nachwuchs für unsere Veranstaltungen mit ihren praxisnahen Inhalten und für die Implantologie zu begeistern.

Die DGI hat ihre Mitglieder zum Thema Onlinefortbildung befragt. Wie aufgeschlossen sind diese dem Thema gegenüber und wie lauten die wichtigsten Ergebnisse?
Hammächer: Grundsätzlich haben sich die Mitglieder sehr aufgeschlossen gezeigt. Positiv bewerten die Teilnehmer das Wegfallen von Hotel- und Reisekosten, die Ortsunabhängigkeit der Fortbildung und das Arbeiten von zu Hause. Natürlich werden auch die Einschränkungen erkannt, insbesondere das Fehlen von Hands-on-Übungen und das direkte kollegiale Gespräch. Unsere Umfrage zeigt, dass den Befragten der Austausch mit den Referenten und anderen Teilnehmern auch bei Online-Angeboten wichtig ist. Insbesondere gegenüber zeitlich ausgedehnten Online-Veranstaltungen besteht Skepsis. Trotzdem war die Evaluation der beiden genannten Online-Wochenenden im Curriculum sehr positiv. Ich war selbst überrascht, wie gut es lief. Sicher sind jedoch auch hier Interaktivität und professionelle Technik absolut wichtig.

Wird es in Zukunft mehr digitale Fortbildungsangebote geben als bisher, und arbeitet die DGI an einen digitalen Masterplan?
Hammächer: Bereits etabliert ist die e.Academy, ein Bestandteil des Curriculums Implantologie. Zu Ostern war das Modul 4 für alle Mitglieder freigeschaltet, was gut angenommen wurde. Inwieweit es in allernächster Zukunft weitere digitale Angebote geben wird, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Der Shutdown hat die Entwicklung digitaler Lernformate auf jeden Fall beschleunigt. Das Blended-Learning-Konzept mit begleitenden digitalen Lerninhalten in Verbindung mit Präsenzveranstaltungen gehört sicher zu jenen Konzepten, die wir in der DGI im Auge haben. Die Digitalisierung ist auch Thema einer Klausurtagung des Vorstands. Beim DGI-Event „Implantat-Therapie im Spannungsfeld: Ästhetik, Funktion, Zahnerhalt“ am 1. Adventswochenende in Rust verfolgen wir ein duales Konzept – online und Präsenz. Sollte die Präsenzveranstaltung nicht möglich sein, wird die Veranstaltung auf jeden Fall als Live-Stream und danach on demand verfügbar sein.

Jede Krise bietet auch Chancen. Gibt es positive Effekte, die Sie der Krise für die Zahnmedizin abgewinnen können?
Hammächer: Neben neuen und kreativen Formaten im Bereich der Fortbildung ist aus meiner Sicht in der Krise deutlich geworden, wie wichtig unsere persönliche tägliche Arbeit und unser Versorgungsauftrag nah am Patienten ist und welch hohe Hygienestandards in der Zahnmedizin seit Langem bestehen. Es ist auch offensichtlich geworden, dass wir die Medizin in der Zahnmedizin in Zukunft noch stärker betonen und herausheben sollten, um auch in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung die Akzeptanz und den Respekt zu bekommen, den unser Fach und unsere tägliche Arbeit am Patienten verdienen.

Wann rechnen Sie damit, dass die DGI das Fortbildungsprogramm wieder vollumfänglich aufnehmen kann? Wie sehen die Planungen für 2021 aus?
Hammächer: Eine sichere Prognose ist hierzu momentan wohl kaum möglich. Derzeit planen wir, Präsenzveranstaltungen unter den gebotenen Schutzvorkehrungen wieder anlaufen zu lassen. Ein Curriculum für die Assistenz, für ZFAs und ZMFs läuft bereits wieder, das andere folgt im Frühjahr. Das Curriculum für die Zahntechnik in Zusammenarbeit mit der Fachgesellschaft für Zahntechnik kann hoffentlich im Januar 2021 starten. Unsere Planung für das Continuum 2021 sowie für die Compactserien Ästhetik und CAD/CAM ist soweit abgeschlossen, und wir freuen uns, dass die Referenten unseres verschobenen DGI Special zum Thema „Knochenregeneration“ ihre Zusage für einen neuen Termin im Mai 2021 gegeben haben.
Brigitte Dinkloh

 

Dr. Christian Hammächer

Dr. Christian Hammächer

Dr. Christian Hammächer studierte Zahnmedizin an der RWTH Aachen und war dort auch als wissenschaftlicher Assistent und Oberarzt in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik bei Prof. Dr. Hubertus Spiekermann tätig. Im Jahr 2002 erwarb er die Bezeichnungen „Spezialist für Prothetik der DGZPW“ und den „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie“. 2007 gründete Dr. Hammächer gemeinsam mit Prof. Dr. Jamal M. Stein, MSc, das „Zahnärztliche Praxiszentrum für Implantologie, Parodontologie und Prothetik“ in Aachen. Er hat einen Lehrauftrag an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien der Uniklinik Aachen, eine vielfältige Referententätigkeit kommt hinzu. Seit Dezember 2018 ist er Fortbildungsreferent im Vorstand der DGI.

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