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Protest: Behandlung darf nicht zu Luxusleistung werden

Die Sparmaßnahmen im Bereich der Zahnheilkunde werden sich langfristig auf die Versorgungssicherheit und somit die Mundgesundheit der deutschen Bevölkerung auswirken. Darauf machen die Verbände für zahnmedizinisches Fachpersonal – der Bundesverband Zahnmedizinischer Fachkräfte in der Prävention e.V. (BVZP), der Verband Deutscher Dentalhygieniker (VDDH) und der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VmF) – gemeinsam aufmerksam. Sie rufen ihre Kollegen dazu auf, die unmittelbaren Konsequenzen für die Patienten im Rahmen der Protestaktion deutlich aufzuzeigen.

Sparmaßnahmen in der Qualifizierung

Birgit Hühn (VDDH) stellt fest: „Seit fast zehn Jahren fordern wir, den Patientenschutz durch Qualifikation in der Prävention und einen klar definierten Delegationsrahmen zu sichern. Um Kosten zu sparen, werden in der Prophylaxe heute schon ZFA eingesetzt, die nur über einen Tageskurs fortgebildet wurden. Durch die Budgetierung befürchten wir weitere Einsparmaßnahmen, die in der Qualität sichtbar werden. So kann keine erfolgreiche Prävention betrieben werden. Fachkräfte, wie Zahnmedizinische Prophylaxeassistent:innen (ZMP) und Dental-Hygieniker:innen (DH), die an den Kammern oder Hochschulen weiterqualifiziert wurden, sind der Schlüssel für das Umdenken von der Reparaturzahnmedizin hin zur Salutogenese. Dass man das Gesundheitssystem reformieren muss, ist überfällig, aber nicht auf Kosten der Praxen, die flächendeckend die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten möchten.“

Entlohnung hat nicht mit Weiterentwicklung Schritt gehalten

„Die zahnmedizinischen Behandlungen haben sich stark weiterentwickelt. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden aber nach wie vor nur die Leistungen übernommen, die dem Standard von vor 50 Jahren entsprechen. Alles andere müssen Patientinnen und Patienten aus eigener Tasche zuzahlen“, ergänzt Nancy Djelassi, Präsidentin des BVZP. „Das betrifft auch ganz konkret die Parodontitistherapie. Dabei ist Parodontitis die Volkskrankheit Nummer 1! Die Folge: Deutschland wird zahnlos, denn die zahnärztlichen Behandlungen werden dank unserer aktuellen Politik zu Luxusbehandlungen. Diese gekürzten finanziellen Zuschüsse für eine ordentliche, qualitativ hochwertige und nachhaltige Parodontitisbehandlung reichen in der Realität bei weitem nicht für die komplette Behandlungsstrecke aus. Deshalb fordern wir, die Budgetierung zu revidieren!“

PAR-Richtlinie im Fokus

Sylvia Gabel, Referatsleiterin Zahnmedizinische Fachangestellte im VmF erinnert daran, dass jahrelang an der Leitlinie für die Parodontalbehandlung gearbeitet wurde. „Es war ein Meilenstein, um diese Volkskrankheit zu bekämpfen. Am 1.7.2021 trat sie in Kraft und zum 1.1.2023 wurde sie wieder zusammengestrichen. Die Krankenkassen genehmigen zwar weiterhin die Anträge, sie werden die erbrachten Leistungen aber nicht in voller Höhe bezahlen. Das ist versteckte Leistungskürzung. Viele Patientinnen und Patienten werden überhaupt nicht in den Genuss kommen, weil dafür sie selbst dafür bezahlen müssten. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Allgemeingesundheit anerkannt und belegt. Auch die Einsparungen bei anderen zahnärztlichen Leistungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Mundgesundheit und die zahnärztliche Versorgung. Das Motto des Tages der Zahngesundheit lautet: Gesund beginnt im Mund! Diese Worte haben in Deutschland keine Bedeutung mehr, es wird gespart – aber am falschen Ende.“

Eckdaten des Protestes
  • Am 8. September 2023 auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin
  • Gespräche mit Bundestagsabgeordneten, Bürgern und Pressevertretern um 12 Uhr
  • Anschließende Kundgebung von 13 bis 15 Uhr

Der Protest richtet sich an die Bundesregierung, die nach der Hälfte der Legislatur ihre Versprechen aus der Koalitionsvereinbarung zur Stärkung der Gesundheitsberufe und zur Fachkräftesicherung bricht. Statt einer Stärkung wurden Spargesetze auf den Weg gebracht, die zum einen die ambulante Gesundheitsversorgung gefährden und außerdem den Spielraum für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen erheblich einschränken.

Zu den Forderungen im Detail

Titelbild: Olga Igumenova