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Klimawandel: Zunehmend mehr Infektionskrankheiten

Krankheitserregende Bakterien werden sich künftig in Deutschland aufgrund des Klimawandels besser vermehren können. Die steigenden Temperaturen begünstigen darüber hinaus die Ausbreitung von Virus-Überträgern wie Zecken und Mücken und den Anstieg von antimikrobiellen Resistenzen.

Zu diesen Erkenntnissen kommt der erste Teil des Sachstandsberichts Klimawandel und Gesundheit unter Koordination des Robert-Koch-Instituts (RKI), dessen erster Teil in diesem Jahr im „Journal of Health Monitoring“ erschienen ist [1]. Der Sachstandsbericht besteht insgesamt aus 14 Artikeln, die den Wissensstand zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit zusammentragen. Er wurde von Experten wissenschaftlicher Institutionen, Forschungseinrichtungen und Behörden aus den Bereichen Umwelt und Gesundheit erstellt.

„Es ist wirklich wichtig, dass wir jetzt handeln. Die wissenschaftliche Evidenz ist klar, wir müssen jetzt ins Handeln kommen.“ Prof. Dr. Elke Hertig, Professur für Regionalen Klimawandel und Gesundheit, Universität Augsburg, Mitautorin des Sachstandsberichts [2]

1. Mit Vektoren und Nagetieren ­assoziierte Erkrankungen

Unter einem Vektor verstehen Infektiologen einen lebenden Organismus, der Krankheitserreger von einem infizierten Tier auf einen Menschen oder ein anderes Tier überträgt. Bei Vektoren handelt es sich häufig um Arthropoden (Gliederfüßer), zum Beispiel Stechmücken, Zecken, Fliegen, Flöhe und Läuse [3]. Faktoren wie höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und das Verhalten der Menschen können die Epidemiologie von Vektor- und Nagetier-assoziierten Infektionskrankheiten in Deutschland beeinflussen. Die genauen Auswirkungen müssen im Detail noch weiter untersucht werden [4].

2. Wasserbürtige Infektionen und Intoxikationen

Wasserbürtige Infektionen sind mit dem Wasser übertragene Krankheiten durch Enterobakterien oder Viren, die von Mensch zu Mensch über die Fäzes oder durch Süßwasserparasiten des Menschen verursacht werden. Der Klimawandel führt zu einer Erhöhung solcher Pathogenkonzentrationen in Gewässern, sowie zur Ansiedlung neuer Pathogene oder verändert deren Erregereigenschaften.

Beispiele für erhöhte Infektionsrisiken über das Wasser sind [5]:

  • Erhebliche Vermehrung von Nicht-Cholera-Vibrionen in flachem Wasser bei erhöhter Temperatur. Natürlicherweise kommen sie nur in Meerwasser vor.
  • Erhöhte Legionellose-Inzidenzen aufgrund des Klimawandel-bedingten Zusammenwirkens von warmem und feuchtem Wetter
  • Anstieg von toxigenen Cyanobakterien in nährstoffreichen Gewässern bei Temperatursteigerung
  • Einschwemmen von humanpathogenen Viren aufgrund von Starkregenfällen nach Stürmen oder längeren Hitzeperioden mit Trockenheit
  • Mehr Infektionen mit fakultativ pathogenen Mikroorganismen wie nicht-tuberkulöse Mykobakterien oder Pilze bei steigenden Temperaturen. Nach Extremwetterereignissen wurde bereits eine erhöhte Infektionsrate mit solchen Erregern dokumentiert.

3. Lebensmittelassoziierte ­Infektionen und Intoxikationen

Mit weiter fortschreitendem Klimawandel ist damit zu rechnen, dass Infektionen und Intoxikationen mit Erregern und Toxinen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln wie bakterielle Erreger der Gattungen Salmonella, Campylobacter und Vibrio, Parasiten der Gattungen Cryptosporidium und Giardia, sowie marine Biotoxine auch in Deutschland vermehrt auftreten werden [6].

4. Antibiotikaresistenz in ­Deutschland und Europa

Ein systematisches Review hat gezeigt, dass ein Anstieg der Umgebungstemperatur zu höheren Antibiotikaresistenzraten und einem erhöhten Risiko für Besiedlung mit und Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern führen kann. Weiterhin steigt die Anzahl nosokomialer Infektionen.

Einige Studien der sechs ins Review eingeschlossenen Studien zeigen einen höheren Antibiotikaverbrauch bei wärmeren Durchschnittstemperaturen. Da für Europa bislang nur wenige Studien vorliegen, sind weitere Studien notwendig, um die Zusammenhänge zwischen klimatischen Faktoren und antimikrobieller Resistenz zu untersuchen und gezielte Präventionsmaßnahmen weiterzuentwickeln, schreiben die Autoren des Reviews [7].

Teil zwei und drei erscheinen in der zweiten Jahreshälfte

Die zweite Ausgabe des Berichts fokussiert im 3. Quartal auf nicht-übertragbare Erkrankungen, die etwa durch Hitze und andere Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen vermittelt werden können, auf den Einfluss des Klimawandels auf allergische Erkrankungen, die Folgen veränderter UV-Strahlung oder höherer Luftschadstoffbelastungen sowie die Folgen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit. Die dritte Ausgabe, die im 4. Quartal erscheint, untersucht die gesundheitliche Chancengleichheit im Hinblick auf Auswirkungen des Klimawandels, die Bedeutung der zielgruppenspezifischen Klimawandelkom­munikation und formuliert den Handlungsbedarf auf Basis der in den anderen Beiträgen formulierten Handlungsempfehlungen [8].

Weltkugel wird von Menschen in blauer Schutzkleidung gehalten

Der Klimawandel gefährdet die Gesundheit der Menschen, auch Infektionskrankheiten werden nach dem Sachstandsbericht des RKI zunehmen.

Literatur

[1] Robert-Koch-Institut (2023): Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit (2023). Stand: 01.06.2023. 

[2] Virtuelles Press Briefing „Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit – Steigende Temperaturen erhöhen das Risiko für Infektionskrankheiten“, Science Media Center Germany, 01.06.2023

[3] „Vektorübertragene Krankheiten“, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa), Zugriff am 12.7.2023

[4] Auswirkungen von Klimaveränderungen auf Vektor- und Nagetier-assoziierte Infektionskrankheiten, Journal of Health Monitoring 2023 8(S3), DOI 10.25646/11393, S. 36-66

[5] Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbürtige Infektionen und Intoxikationen, Journal of Health Monitoring 2023 8(S3), DOI 10.25646/11393, S. 67-84 

[6] Auswirkungen des Klimawandels auf lebensmittelassoziierte Infektionen und Intoxikationen, Journal of Health Monitoring 2023 8(S3), DOI 10.25646/11393, S. 85-101

[7] Antibiotikaresistenz in Deutschland und Europa – Ein systematischer Review zur zunehmenden Bedrohung, beschleunigt durch den Klimawandel, Journal of Health Monitoring 2023 8(S3),DOI 10.25646/11393, S. 102-119

[8] Pressemitteilung des Robert-Koch-Instituts: "Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Menschheit" – neuer Sachstandsbericht zu Klimawandel und Gesundheit erschienen, 1.6.2023