Seniorenzahnmedizin

Mit Pflegebedürftigen kommunizieren

Wie sag ich’s richtig?

Sandra Mantz
privat

Wie kommunizieren Zahnärzte am besten mit pflegebedürftigen Patienten? Die gelernte Altenpflegerin Sandra Mantz, die heute als Sprachkompetenztrainerin arbeitet, hat die Antworten.

Sandra Mantz ist Gesprächstherapeutin, Sprachkompetenztrainerin und Inhaberin der Akademie SprachGUT. Bevor sie sich selbstständig machte, arbeitete sie als Altenpflegerin. Im Duden-Verlag erschien jetzt ihr Buch „Pflegegespräche richtig führen“. Doch wie kommunizieren Zahnärzte eigentlich richtig mit pflegebedürftigen Patienten, deren Angehörigen und dem Pflegepersonal? Das verriet sie dzw-Redakteurin Evelyn Stolberg im Interview.

 

Worauf sollten Zahnärzte und ihre Angestellten bei der Kommunikation mit hochbetagten Senioren achten?

Sandra Mantz: Am besten klappt es, wenn man folgendes beachtet: Wichtig ist, Blickkontakt aufzunehmen, langsam zu sprechen, dabei Pausen zu machen und das Gesagte zu wiederholen. Wenn es möglich ist, sollten Sie dabei nicht in Ihrer höchsten Tonlage sprechen, denn das Altersohr hört tiefe Töne besser. Damit Ihr Gegenüber weiß, mit wem er oder sie es zu tun hat, sollten Sie sich immer vorstellen, mit Namen und Funktion. Das schafft Vertrauen und baut mögliche Berührungsängste ab. Körperlicher Kontakt, sofern gesundheitliche Gründe nicht dagegensprechen, ist auch wichtig. Schütteln Sie Ihrem Patienten zur Begrüßung die Hand oder legen Sie ihm kurz die Hand auf die Schulter. Das schafft Nähe. Wenn Sie von Kollegen oder Mitarbeitern begleitet werden, sollten diese sich natürlich auch vorstellen. Und begeben Sie sich auf Augenhöhe. Gehen Sie in die Hocke, falls Ihr Gegenüber im Sessel oder Rollstuhl sitzt. Fragen Sie nach Ängsten und Bedenken und erklären Sie, was Sie vorhaben.


Macht es einen Unterschied, ob Senioren in ihrer gewohnten Umgebung behandelt werden oder in der Praxis?

Mantz: Aber ja! Wenn der Patient in seiner vertrauten Umgebung bleiben kann, ist das für ihn ein großer Vorteil. Die Anstrengung einer Fahrt wird vermieden. Dadurch entsteht weniger Stress

und mentale Verwirrung. Auch der Faktor Zeit spielt bei der Behandlung im Seniorenheim nur für den Zahnarzt eine Rolle. Wenn es aus medizinischen Gründen allerdings absolut notwendig ist, das Heim zu verlassen und die Praxis aufzusuchen, wäre eine vertraute Begleitperson immens wichtig. Ein Taxifahrer bleibt ja nicht bei der Behandlung dabei. Die Senioren fühlen sich in der fremden Umgebung, inmitten von fremden Menschen, meist sehr unsicher. Das steigert ihre Grundängste und baut Stress auf. Da wäre es wichtig, wenn der Zahnarzt und das Personal stark darauf achten, behutsam mit dem betagten Patienten umzugehen und ihn nicht „irgendwo“ alleine warten lassen, falls er unbegleitet kommt. In der eigenen Praxis läuft man leider deutlich schneller Gefahr, in routinierte Abläufe zu geraten und dabei die Bedürfnisse der Senioren aus den Augen zu verlieren.  

Oft sind bei hochbetagten Patienten die Angehörigen in medizinische Angelegenheiten involviert. Worauf sollten Zahnärzte bei der Ansprache mit ihnen achten? Oder auch in der Ansprache des Pflegepersonals?

Mantz: Auch hier gilt die Devise: Bauen Sie Vertrauen auf. Stellen Sie sich vor, sagen Sie, was Sie vorhaben, und fragen Sie die Angehörigen nach Erfahrungen und Ängsten in Bezug auf Zahnarztbesuche. Wenn man Ihnen vertraut, fällt es den Patienten und ihren Begleitern leichter, damit umzugehen, falls sich die Behandlung nicht ganz einfach gestalten sollte. Im Umgang mit Pflegeteams sind gegenseitiger Respekt, Rückmeldungen zur Behandlung und Transparenz im Ablauf das A und O.

 

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