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Mehrheitlich weiblich: der frisch gewählte Vorstand der Zahnärztekammer Berlin
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Mehrheitlich weiblich: der frisch gewählte Vorstand der Zahnärztekammer Berlin

Die Berliner Zahnärztekammer hat einen neuen Vorstand gewählt. Soweit – so unspektakulär, würde man meinen. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt.

Berliner Luft bringt frischen Wind

Die Kammerwahl 2020 hatte die Landschaft der Hauptstadtkammer ordentlich durcheinander gewirbelt. Für Furore sorgte wieder einmal die Frauenliste vom Verband der Zahnärztinnen – Dentista. Sie holten auf Anhieb 5 der 46 Sitze der Kammer. Das ging vor allem zu Lasten der beiden bislang stärksten Listen vom Verband der Zahnärztinnen und Zahnärzte Berlin und dem FVDZ. Naht da eine Götterdämmerung?
Liest man die Schlagzeilen zum Wahlausgang – dann ja. „Bedeutet die Wahl in der Zahnärztekammer Berlin einen Durchbruch bei der paritätischen Vertretung in der Zahnärzteschaft? Der Deutsche Ärztinnenbund e.V. (DÄB), der auch die Interessen von Zahnärztinnen vertritt, hofft darauf.“ Der Deutsche Arbeitskreis für Zahnheilkunde konstatiert konsterniert: „Besonders die Zahnärztinnen, mit ihren gelegentlich spezifischen Problemen und Sichtweisen, sind gut vertreten – eine Frauenquote wäre übererfüllt“. Dr. Juliane von Hoyningen-Huene, Präsidentin der Women Dentists Worldwide und Mitglied des VdZÄ-Vorstands, die bereits seit zehn Jahren als FVDZ-Mitglied im Vorstand der Berliner Zahnärztekammer vertreten war und jetzt für den Verband der Zahnärztinnen – Dentista antrat, wird in einer Mitteilung von Dentista zitiert: „Ich bin stolz auf unsere Kolleginnen, die es gewagt haben, für ihre Überzeugungen einzustehen. Ich wusste, dass wir mit unserem Elan weit kommen, aber so schnell hatte ich das nicht erwartet.“
Gewählt wurden ein nun achtköpfiger Vorstand, bestehend aus drei Männern und fünf Frauen – bei einem Frauenanteil von rund 35 Prozent unter den Delegierten. Der bisherige Vorstand aus sieben Personen hatte nur zwei weibliche Beisitzer. Was war geschehen? Ein Sinneswandel? Haben die langjährigen Bemühungen um einen höheren Frauenanteil unter der Führungskräften in der Standespolitik von BZÄK und KZBV endlich Wirkung gezeigt?

König ohne Reich?

Mitnichten. Die alten Machtblöcke vom Verband der Zahnärztinnen und Zahnärzte Berlin und dem FVDZ hatten sich schlichtweg verzockt. Dass ein neuer Wind weht, bekam der zur Wiederwahl angetretene Präsident Dr. Karsten Heegewaldt zu spüren, der in den ersten beiden Wahlgängen mit 22 Ja-Stimmen zu 23 Nein-Stimmen durchfiel (ein Delegierter war entschuldigt). Schließlich drehte sich sein Blatt noch einmal und er konnte eine weitere Stimme auf sich ziehen. Danach kam es wohl zu einer Art Showdown in der Wahl um den Vize-Posten. Hier konnte sich Barbara Plaster vom Verband der ZahnÄrztinnen – Dentista gegen den bisherigen Vize Dr. Michael Dreyer vom FVDZ mit 24 zu 21 Stimmen durchsetzen. Das ist Demokratie, würde man meinen.
Aus Gründen, über die man hier nur spekulieren könnte, verließen daraufhin die Delegierten vom Verband der Zahnärztinnen und Zahnärzte Berlin und dem FVDZ sowie ein weiterer Delegierter die Versammlung. Vermutlich nicht, um mit Sekt anzustoßen. Wenn die Fraktionen der Schäufleinschmeißer und Förmchenverstecker dachten, sie könnten damit die Veranstaltung sprengen, hatten sie sich getäuscht.
Der frisch wiedergewählte Präsident sowie 24 weitere Delegierte verblieben und führten zu Ende, wozu sie gewählt wurden. In der Hauptsatzung der Zahnärztekammer Berlin heißt es in Paragraf 11 Absatz 7: „Die Delegiertenversammlung ist beschlussfähig, wenn sie nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung der Delegiertenversammlung ordnungsgemäß einberufen wurde und mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder anwesend ist.“
Mit großen Mehrheiten wurden anschließen die sechs Beisitzer:innen gewählt: Dr. Silke Riemer, Öffentlicher Gesundheitsdienst, Maryam Chuadja, Fraktion Gesundheit, Irina Hahn, Verband der ZahnÄrztinnen – Dentista, Dr. Jürgen Brandt, IUZB – Ini-
tiative Unabhängige Zahnärzte Berlin, Winnetou Kampmann, Fraktion Gesundheit, Dr. Juliane von Hoyningen-Huene, Verband der ZahnÄrztinnen – Dentista.
Dr. Karsten Heegewaldt, der wiedergewählte Kammerpräsident in Berlin, hat sich laut einer Mitteilung der Zahnärztekammer Berlin sehr erfreut über den „sensationell hohen Frauenanteil im Vorstand“ gezeigt. Standespolitisch entstand hier eine erfrischend spannende Gemengelage: ein wiedergewählter Präsident ohne Hausmacht im eigenen Verband, eine Frauenmehrheit im Vorstand und eine breite Listen-Basis.

Ein Signal für die Wahl des BZÄK-Präsidiums?

Auf jeden Fall ein Signal des Aufbruchs. Ein weiteres kam von der KZBV. Ihre AG Frauenförderung hatte unter Leitung von Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV Baden-Württemberg, ein Konzept erarbeitet, wie mehr Zahnärztinnen den Zugang in die standespolitischen Gremien finden können. Das Papier wurde nun – nach Angaben der „zm“ – an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und weitere politische Entscheidungsträger versandt. Die Botschaft: „In jedem Vorstand einer KZV und der KZBV sollte in der nächsten Legislaturperiode eine Frau vertreten sein.“ Und das ist auch gut so.

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