Zahnmedizin

Neues aus der Forschung

Airpolishing als Alternative in der UPT

Neues aus der Forschung
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Die Entfernung subgingivaler harter Ablagerungen (Zahnstein, Konkremente) und des subgingivalen Biofilms sollte laut aktueller S3-Leitlinie Parodontitis-Therapie mit Schall, Ultraschall oder Handinstrumenten erfolgen [1]. Das gilt einerseits für die Initialtherapie (Stufe 2), aber auch für Recall-Sitzungen (UPT, Stufe 4). 

Zusätzliche (adjuvante) chemische oder mechanische Methoden erhielten keine klaren Empfehlungen oder wurden als nicht indiziert bewertet. Nicht aufgeführt ist in der Leitlinie subgingivales Airpolishing (Airflowing). Eine neue systematische Übersichtsarbeit kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass „kein Unterschied in der Wirksamkeit von Airpolishing und Hand- oder Ultraschall-Instrumentierung besteht, den Biofilm zu kontrollieren und die Entzündung zu reduzieren“ [2]. Einschränkend wird festgestellt, dass noch Studien über längere Zeiträume fehlen.

In der Zwischenzeit wurde in einer Reihe weiterer Studien die Wirksamkeit, Effizienz und Patientenakzeptanz von Airflowing untersucht, zum Beispiel in einer retrospektiven Langzeitstudie mit mehr als 500 Patienten. Über durchschnittlich 5,3 Jahre (SPT) zeigte diese für die sub- und supragingivale Airflowing-Gruppe (mit Airflow, EMS, und Glycin-Pulver) ebenso stabile Sondierungstiefen wie für die Vergleichsgruppe [3]. In dieser erfolgte eine konventionelle Belagentfernung subgingival  mit Schall (KaVo Sonicflex, KaVo) und Küretten und supragingival mit rotierenden Polierern und Pasten. Für Furkationsdefekte zeigte sich in der Airflowing-Gruppe langfristig eine Tendenz zur Verschlechterung.

Effizienz und Patientenakzeptanz

Allerdings wurden in der genannten Langzeitstudie nicht die für tiefe Taschen indizierten und vom Anbieter empfohlenen speziellen Handstücke und Aufsätze (Perioflow, EMS) für die subgingivale Anwendung eingesetzt [3]. In einer früheren Studie, in der dies beachtet wurde, reduzierte entsprechend Airflowing die Anzahl von Taschen über 4 mm Tiefe nach einem Zeitraum von 12 Monaten ebenso effektiv wie Ultraschall [4]. Airflowing wurde zudem von den Probanden als signifikant weniger schmerzhaft bewertet als Ultraschall.

Eine neue Untersuchung verglich im randomisierten Seitenvergleich im jeweils selben Patienten (split-mouth) die Wirkung von subgingivalem Ultraschall plus supragingivaler rotierender „Politur“ (Kontrolle) mit kombiniertem sub- und supragingivalem Airflowing in der Initialtherapie (Test) [5]. Die Erkrankung der untersuchten Patienten entsprach zu Studienbeginn dem Stadium I der neuen Klassifikation (beginnende Parodontitis). Nach 6 Wochen waren hier die Sondierungstiefen in beiden Gruppen vergleichbar und signifikant geringer als vor der Behandlung. Die Schmerzwahrnehmung erwies sich auch hier für die Testgruppe als geringer und der Zeitaufwand war durchschnittlich um 4 Minuten kürzer (höhere Effizienz). Ähnliche Ergebnisse bezüglich Wirksamkeit und Schmerzwahrnehmung erzielte Airpolishing (Lunos, Dürr Dental) auch im Vergleich zu subgingivalem Schall-Scaling in der UPT [6].

Fazit

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Studienlage zu subgingivalem Airpolishing (Airflowing) insbesondere in Bezug auf Studiendauer und aktuell geforderte klinische Parameter noch ausbaufähig ist. Die ersten randomisierten Studien zur Methode wurden aber bereits im Jahr 2003 von einer Arbeitsgruppe der Universität Münster vorgelegt. In Verbindung mit Expertenempfehlungen und langjähriger positiver Erfahrung in Praxen und Universitäten sprechen die vorliegenden Publikationen für ein hohes Potenzial der Methode. Dies gilt besonders für die unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT, Stufe 4) und möglicherweise auch für die initiale Instrumentierung (Stufe 2) bei beginnender Parodontitis.

Dr. Jan H. Koch

Hinweis: Beiträge in der Rubrik Oralmedizin kompakt können nicht die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sollen lediglich – auf der Basis aktueller Literatur und/oder von Experten-Empfehlungen – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.

Literatur

[1] DG Paro Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V., DGZMK Deutsche Gesellschaft für Zahn- M-uK. Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III. Die deutsche Implementierung der S3-Leitlinie „Treatment of Stage I–III Periodontitis“der European Federation of Periodontology (EFP). AWMF-Registernummer: 083-043. Stand: Dezember 2020. Gültig bis: November 2025.
[2] Nascimento GG, Leite FRM, Pennisi PRC, López R, Paranhos LR. Use of air polishing for supra- and subgingival biofilm removal for treatment of residual periodontal pockets and supportive periodontal care: a systematic review. Clinical Oral Investigations 2021;25:779-795.
[3] Petersilka G, Koch R, Vomhof A, Joda T, Harks I, Arweiler N, et al. Retrospective analysis of the long-term effect of subgingival air polishing in supportive periodontal therapy. Journal of Clinical Periodontology 2021;48:263-271.
[4] Muller N, Moene R, Cancela JA, Mombelli A. Subgingival air-polishing with erythritol during periodontal maintenance: randomized clinical trial of twelve months. Journal of clinical periodontology 2014;41:883-889.
[5] Albonni H, Alseirafi W, Tekleh H, Abo Orabi F, Alhaj M, Almasri D, et al. Clinical outcomes of using erythritol powder by means of air polishing with ultrasonic debridement in the treatment of initial periodontal pockets in hand of dental students: A split-mouth, randomized, comparative, controlled study. Part I. International journal of dental hygiene. Online 20210520
[6] Kruse AB, Akakpo DL, Maamar R, Woelber JP, Al-Ahmad A, Vach K, et al. Trehalose powder for subgingival air-polishing during periodontal maintenance therapy: A randomized controlled trial. Journal of Periodontology 2019;90:263-270.

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