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Hilfseinsatz: Kongo, Kamerum und Madagaskar

„Auch der Stromgenerator wurde gelegentlich ins Gebet mit eingeschlossen“

Britta Brüggemann im Jahr 2015 bei der Arbeit in Madagaskar
Mercy Ships

Britta Brüggemann im Jahr 2015 bei der Arbeit in Madagaskar

Das Leben hat es gut mit Britta Brüggemann gemeint. Die 47-jährige ZFA aus Dorsten hatte schon lange den Wunsch, etwas davon zurückzugeben – und jetzt wird sie bald zum dritten Mal die Hilfsorganisation Mercy Ships in Afrika unterstützen.

Die bei Mercy Ships verwendeten Materialien wie Anästhetika, Latexhandschuhe und Desinfektionsprodukte sind Sachspenden. Daher ist Flexibilität gefragt, wenn ein Produkt aufgebraucht ist. Dasselbe gilt für den Stromgenerator: „Hat er mal nicht zuverlässig funktioniert, haben wir uns angepasst – tupfen statt saugen. Kavitäten präparieren entfällt dann, und man konzentriert sich auf Extraktionen.“

In der Zahnklinik arbeiten vier Behandlungsteams parallel in einem Raum: „Ein Team besteht aus einem Zahnarzt, einer Assistenz und einem einheimischen Übersetzer. Die Übersetzer schlagen die sprachliche und kulturelle Brücke zu unseren Patienten und schaffen so Vertrauen. Die Anzahl der Helfer und die Zusammenstellung der Teams variieren allerdings. Auch hier ist also Flexibilität gefragt“, so Brüggemann. Täglich werden in der Zahnklinik fast 100 Patienten behandelt: „Morgens besprachen wir den Tagesplan und beteten dann mit den einheimischen Über setzern für die Patienten und dafür, dass alles gelingen möge.“ Gelegentlich wurde dabei sogar der Stromgenerator ins Gebet einge-schlossen – und zwar singend und begleitet von Bongo-Trommeln. „Das ist Afrika“, erinnert sich Brüg-gemann begeistert.

Britta Brüggemann mit einer Patientin im Kongo
Britta Brüggemann

Britta Brüggemann mit einer Patientin im Kongo

Herausforderungen  und Glücksmomente

Der Arbeitsalltag auf Englisch war zunächst eine Herausforderung: „Mit meinem Schulenglisch stieß ich oft an meine Grenzen.“ Die größte Freude dagegen bereitete ihr das Glück der Patienten: „Für jeden Patienten bedeutet eine Behandlung Schmerzfreiheit und eine positive Wendung im Leben. In Afrika haben Abszesse oft jahrelang Zeit, um sich auszubreiten. Das kann zu lebensbedrohenden Situationen oder der Gefahr einer Sepsis führen.“ Die Erfahrungen bei Mercy Ships haben Brüggemanns Perspektive verändert: „Ich bin viel zufriedener geworden. Große Sorgen über kleine Gesichtsfältchen, wie ich sie bei meiner früheren Arbeit in der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie erlebt habe, standen plötzlich in keinem Verhältnis zu kiloschweren Gesichtstumoren.“

Alle zwei Jahre mit dabei

2015 entschied sie sich erneut für einen dreiwöchigen Einsatz bei Mercy Ships. Dieses Mal in Madagaskar und in Begleitung ihres Mannes, der mit seiner Fachkompetenz als Ingenieur im Maschinenraum der „Africa Mercy“ zum Einsatz kam. Das Paar hat sich dazu entschlossen, nach Möglichkeit alle zwei Jahre einen Hilfseinsatz bei Mercy Ships zu leisten, denn das Konzept überzeugt: Patienten bekommen direkt und kostenfrei medizinische Hilfe, die einheimische Daycrew wird medizinisch ausgebildet und erhält ein Honorar. Brüggemann ist besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig: „In der Wartezeit werden die Patienten über Mundhygiene und gesunde Ernährung aufgeklärt. Einmal wöchentlich wird in Schulen vor Ort ein Prophylaxeunterricht durchgeführt. Zudem schult Mercy Ships Kleinbauern dabei, ihre Erträge weiter zu optimieren.“

Das Instrumentarium beim Einsatz im Kongo
Britte Brüggemann

Das Instrumentarium beim Einsatz im Kongo

Für ihren nächsten Einsatz in Kamerun stellen sich die Brüggemanns auf „viel Arbeit und tropische Hitze“ ein. Davon, dass sie noch einmal eine der wenigen Paarkabinen an Bord bekommen, gehen sie nicht aus. Denn in der Regel lebt man in Kabinen mit sechs bis acht Betten. Durch den herzlichen Umgang der Freiwilligen an Bord sind aber echte Freundschaften entstanden, und Britta Brüggemann freut sich darauf, alte Freunde wiederzusehen. Und auf die zwei Kugeln Eis, die die Mitarbeiter immer donnerstags nach der gemeinsamen Andacht bekommen: „Dann stehen alle 400 Crewmitglieder an, um ein Eis zu bekommen. Kein Gedränge, nur Freude pur!“

Kurz zu Mercy Ships

Mercy Ships betreibt nach eigenen Angaben das größte private Hospitalschiff der Welt und ankert vorwiegend an der Küste Afrikas. An Bord der „Africa Mercy“ werden komplexe, spezialchirurgische Operationen durchgeführt. Arme und bedürftige Menschen werden, ungeachtet ihrer ethnischen und religiösen Herkunft oder ihrer politischen Überzeugungen, kostenlos behandelt. Die Arbeit an Bord wird fast vollständig von ehrenamtlichen Einsatzkräften geleistet. Die minimale Einsatzdauer von zwei Wochen gilt nur für einige Posten im technischen, medizinischen oder dentalmedizinischen Bereich. Online- Bewerbung unter apply.mercyships.org und per E-Mail an mitarbeiten@mercyships.de