Implantologie

ESCI: 1. European Congress for Ceramic Implant Dentistry

Zeichen für die Implantologie mit Keramik

Gut aufgelegte Referenten beim 1. European Congress for Ceramic Implant Dentistry
ESCI

Gut aufgelegte Referenten beim 1. European Congress for Ceramic Implant Dentistry

Nach dem 1. European Congress for Ceramic Implant Dentistry zeigen sich die Veranstalter zufrieden. Mehr als 170 Teilnehmern aus 23 Ländern waren jetzt an den Zürichsee gereist, um sich über „Facts of Ceramic Implants“ – so das Kongressmotto“ – zu informieren. Damit sei die Konferenz der European Society for Ceramic Implantology (ESCI) schon bei ihrer ersten Durchführung eine der größten und wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Keramikimplantologie, so die Veranstalter.

„Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, mit dem Kongress ein Zeichen für die zahnärztliche Implantologie mit Keramikimplantaten zu setzen“, sagt ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch. Das Ziel der ESCI ist es, eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und klinischer Anwendung von Keramikimplantaten zu schaffen. Entsprechend war das Kongressprogramm aufgebaut: In drei Kapiteln beantworteten hochkarätige Redner die aktuellen Fragen zur Implantologie mit Keramik.

„Biomaterial Ceramic“ – „… mit welchem Material haben wir es zu tun?“

Prof. Corrado Piconi (IT) gab in seinem Einführungsvortrag einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung keramischer Implantate. Er erklärte die besonderen Eigenschaften sowie  die Vor- und Nachteile des Materials Zirkoniumdioxid. Anschließend klärte Prof. Jens Fischer (CH) die aktuellen Fragen zur Stabilität im Zusammenhang mit Implantatdesign und Oberflächendesign sowie zur Qualitätssicherung und zu Testmethoden. Der französische Materialwissenschaftler Prof. Jerome Chevalier (FR) erläuterte die Umwandlungs- und Alterungsprozesse von Zirkoniumdioxid und sprach über die Entwicklung neuer Biokeramiken. Schließlich beleuchtete Prof. Mutlu Özcan (CH) in einem tief greifenden Vortrag die Materialvielfalt für die restaurative Restauration von Keramikimplantaten.

„Biological Aspects“ – „… warum sollten wir Keramikimplantate anwenden?“

Prof. Daniel Olmedo (AR) aus Argentinien stellte seine Forschungen zu den Korrosionsprozessen (Tribokorrosion) von Titan und Titanimplantaten vor. Dr. Simone Janner (CH) demonstrierte die äquivalente Osseointegration von Keramikimplantaten im Vergleich zu Titanimplantaten. Anschließend gab die Biowissenschaftlerin Dr. Brigitte Altmann (DE) einen Einblick in die verschiedenen Methoden zur Oberflächengestaltung von Implantaten und wies auf deren Bedeutung für die biologische Akzeptanz hin. Dr. Stefan Röhling (DE), Vizepräsident der ESCI, wies auf die Vorteile von Keramik für periimplantäres Weichgewebe aufgrund der geringen Plaque-Affinität hin und bezog Stellung zum Thema Periimplantitis.

„Clinical Aspects“ – „… wie sollen wir Keramikimplantate anwenden?“

Prof. Michael Payer (AT) aus Graz berichtete über langfristige klinische Ergebnisse, die er mit Fallstudien und Studienergebnissen untermauerte. Anschließend erläuterte Prof. Andre Chen (PT) das Verfahren für die späte und sofortige Implantation von Keramikimplantaten. Dr. Goran Benic (CH) zeigte Augmentationstechniken in den verschiedenen Resorptionsstadien in Verbindung mit Keramikimplantaten. Prof. Michael Gahlert (DE) aus München demonstriert anhand vieler Fälle aus seinem langjährigen Repertoire die vielfältigen Indikationen für Keramikimplantate – und wie ihr Einsatz die zahnärztliche Praxis verändern kann.

Anschließend konzentrierte sich Dr. Bernd Siewert (ESP) auf die Versorgung mit Keramikimplantaten mit herausnehmbarem PEEK-Zahnersatz. Abschließend zog Prof. Curd Bollen (NL) ein Resümee der in den zwei Tagen gehörten Vorträge und erläuterte, worauf es beim Einstieg in die Welt der Keramikimplantate ankommt. Sein Tipp: Vor allem solle der Behandler sich mit den Besonderheiten des Materials vertraut machen und zunächst mit einfachen Indikationen beginnen.

Mehr als 170 Teilnehmer aus 23 Ländern – ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch freut sich über eine gelungene Premiere.
ESCI

Mehr als 170 Teilnehmer aus 23 Ländern – ESCI-Präsident Dr. Jens Tartsch freut sich über eine gelungene Premiere.

ESCI Award 2019

Die ESCI versteht sich selbst als Drehscheibe für herausragende wissenschaftliche Forschung und für klinische, praktische Erfahrung in der dentalen Implantologie mit Keramikimplantaten. Auf dem Kongress wurde daher jungen Forschern und ESCI-Mitgliedern die Gelegenheit geboten, ihre Forschungsergebnisse und klinischen Fälle im Rahmen von „short lecture sessions“ vorzustellen. Der wissenschaftliche Beirat der ESCI wählte als Award-Jury die besten Vorträge aus.

Die Gewinner wurden mit dem ESCI Award 2019 ausgezeichnet, den Prof. Mutlu Özcan als Vertreterin des Beirats überreichte. Den ESCI Award 2019 in der Kategorie „best scientific abstract presentation“ teilten sich Dr. Mona Monzavi (US) und Dr. Yuguang Wang (CHN). Den ESCI Award 2019 in der Kategorie „best member case presentation“ erhielt Dr. Rouven Wagner (DE)

Besonderes Highlight war das „Open Stage Forum“ zum Abschluss. Alle Redner des Kongresses versammelten sich auf der Bühne, um sich den kritischen Fragen von Moderator Dr. Urs Brodbeck (CH) zu stellen und die Zukunft der Keramikimplantologie zu diskutieren. Auch wenn die Datenlage sicher noch weiter zu verbessern sei, herrschte Einigkeit darin, dass Keramikimplantate bereits heute zur klinischen Anwendung empfohlen werden könnten –  sofern die richtigen Indikationen gewählt und die Guidelines der Hersteller beachtet werden.

Fazit der Veranstalter: Sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Anwender habe der Kongress wertvolle Erkenntnisse geboten. Die Keramikimplantologie zeige sich auf Augenhöhe mit Titanimplantaten. Es sei gelungen, Keramikimplantate aus ihrer „Außenseiterrolle“ herauszuholen, sie wissenschaftlich zu belegen und getroffene Aussagen evidenzbasiert darzustellen.

Der nächste European Congress for Ceramic Implant Dentistry wird 2021 stattfinden. Im kommenden Jahr wird sich die ESCI länderspezifischen Projekten und Veranstaltungen sowie dem Aufbau von Trainingszentren für Keramikimplantologie widmen.

Quelle: ESCI

Weitere Artikel

Zusätzlich: