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Klimawandel: Auch die Praxis kann etwas tun

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Wir alle sind betroffen, wie alle können etwas tun gegen den Klimawandel. Neben zahlreichen natürlichen Ursachen für Veränderungen des Klimas wird die in den vergangenen Jahren spürbare und messbare Beschleunigung dieses Prozesses durch menschengemachte Faktoren immer offensichtlicher. Was vor wenigen Jahrzehnten noch als Angstmacherei ab­getan wurde, lässt sich heute kaum noch wegdiskutieren (von notorischen Leugnern abgesehen). Treibhausgase, egal ob natürlichen oder anthropogenen Ursprungs tragen zur Aufheizung des Planeten Erde bei. Und das bleibt nicht ohne – zum Teil dramatische – Folgen. Einziger Ausweg: Reduktion des Ausstoßes klimafeindlicher Treibhausgase.

Das aber ist leichter gesagt als getan. Zumal kein schneller und spürbarer Effekt eintreten wird – die Menscheit muss handeln, die derzeitige Weltbevölkerung wird den positiven Effekt aber vermutlich nicht mehr erleben.

Auf Elektromobilität umsteigen?

Also alle Pkw mit Verbrennermotoren abschaffen und auf Elektromobilität umsteigen? Leider auch keine Lösung. Der Strom fürs Auto kommt noch zu selten aus Wind, Gezeiten oder Sonnenstrahlung, sondern meist aus konventionellen Kraftwerken – im Prinzip fahren viele eAutos in Wahrheit mit Braunkohleantrieb.

Aber mal im Ernst: Fossile Energieträger bedrohen Gesundheit und Leben. So jedenfalls ist eine gemeinsame Presseerklärung überschrieben, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der Präsident der Bundesärztekammer und Vertreter aus Klimaforschung und der Organisation Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) veröffentlicht haben. Anlass war der „Lancet Countdown Bericht“, der kürzlich weltweit vorgestellt wurde. Zentrale Aussage: „Unsere Ge­sundheit ist den fossilen Brennstoffen ausge­liefert.“ Lauterbach machte mit Bezug auf das Gesundheitssystem auf das damit verbundene Dilemma aufmerksam: „Das Gesundheitssystem selber ist Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung.“ Ärztinnen und Ärzte sollten ihren Patienten wichtige Vorbilder sein.

Bemühungen um Klimaneutralität beschleunigen

Noch deutlicher wurde Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Er forderte „angesichts der dynamischen Entwicklung der globalen Erderwärmung“, dass die Bemühungen um Klimaneutralität beschleunigt werden müssten. Dies gelte selbstverständlich auch für das Gesundheitswesen, und zwar in zweierlei Hinsicht: Einerseits müsse der klimafreundliche Aus- und Umbau von Gesundheitseinrichtungen vorangetrieben werden, andererseits müsse sich das Gesundheitswesen selbst besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.

Dazu passen die Ergebnisse einer Um­frage der Stiftung Gesundheit zum Stand der Transformation zu einem klimaneu­tralen und klimaresilienten Gesundheitswesen, die im Auftrag des Centre for Pla­netary Health Policy (CPHP) durchgeführt wurde. Die positive Nachricht: Bei den Ärzten herscht ein hohes Bewusstsein für das Thema Klimaschutz. Die schlechte: Es mangelt an Führung und Umsetzung. Im Klartext: In Deutschland hat keine nationale Klimastrategie für das Gesundheitswesen, obwohl das Bewusstsein für die Dringlichkeit vorhanden ist. Und es fehlt nicht etwa nur an Detailwissen um hochkomplexe energetische Zusammenhänge, sondern schon an simplem Basiswissen, etwa Daten zu Emmisionen von Gesundheitseinrichtungen wie Praxen, Krankenhäusern etc.

Abwarten ist also keine Option. Im Kleinen kann jeder Einzelne, jede Praxis schon jetzt loslegen, indem klima- und umweltrelevante Daten von Gesundheitseinrichtungen erfasst werden, zum Beispiel, um Sofortmaßnahmen anzugehen. Damit ist die Zeit sinnvoll genutzt, bis es eine nationale Klimastrategie gibt.