Ausbildung

Wünsche einer Berufsschullehrerin

Leben und Lehren zu Corona-Zeiten

In Corona-Zeiten darf die Umsetzung wichtiger Verhaltensweisen nicht nur Wunschdenken sein.
Jenny Sturm - stock.adobe.com

In Corona-Zeiten darf die Umsetzung wichtiger Verhaltensweisen nicht nur Wunschdenken sein.

Corona stellt uns alle vor Herausforderungen. Das gilt natürlich auch für den Unterricht in der Berufsschule.

Auch ich habe in den vergangenen Ferienwochen festgestellt, dass ich mich an das Leben mit Corona gewöhnt habe. Einen Mundschutz in Geschäften, Banken, Cafés und Restaurants zu tragen, gehört mittlerweile zum Alltag.

Mit dieser Normalität habe ich allerdings auch festgestellt, dass Corona für viele Menschen in immer weitere Ferne rückt. Man wird sorgloser und achtet nicht mehr auf die Hygienevorgaben, umarmt wieder sorglos Menschen und achtet im Alltag auch nicht mehr auf die Abstandsregeln. Dies muss wieder fester in unseren Köpfen verankert werden, denn diese Krankheit soll nicht immer tiefer in unser Leben eindringen – wir müssen verhindern, dass immer mehr Menschen an Corona erkranken.

Was wünsche ich mir in der Berufsschule, damit wir alle diese Krise möglichst gesund und munter überstehen?

1. Wir sollten auf uns achten – und nicht nur dann, wenn wir uns von Aufsichtspersonen beobachtet fühlen. Leider musste ich feststellen, dass Schülerinnen in großen Gruppen bis zum Schulhof kommen und erst dann den Sicherheitsabstand einhalten.

2. Einfachste Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden: Mund-Nasen-Schutz, Händedesinfektion und Desinfektion des Arbeitsbereichs vor und nach dem Unterricht in jedem Klassenraum. Ich habe beobachtet, dass diese Maßnahmen oft für völlig überzogen gehalten werden: Es sei doch alles gar nicht so schlimm und auf einen Mund-Nasen-Schutz könne verzichtet werden. Ich denke, vielen ist einfach nicht klar, dass diese Masken dem Schutz anderen Menschen gelten und nicht dem, der sie trägt. Also schade ich den anderen damit, wenn ich ihn nicht trage und übernehme somit die Verantwortung, jemanden anzustecken.

3. Wir sollten respektvoll und ehrlich miteinander umgehen. Die Schule sollte während des gesamten Unterrichts nicht verlassen werden. Oft wird allerdings ein Grund, den Unterricht zu verlassen, erfunden, um einkaufen zu gehen oder zu rauchen.

4. Wenn wir den Ernst der Lage erkennen, können wir eine Ausbreitung des Virus verhindern. Auch junge Menschen erkranken an Corona, und die Langzeitauswirkungen sind derzeit noch gar nicht bekannt.

5. Ich wünsche mir mehr Eigeninitiative im Bezug auf die Lerninhalte, sollte es wieder zu einem eingeschränkten Unterricht kommen. Das Lernen außerhalb des normalen Unterrichts wurde an unserer Schule nur von wenigen Schülerinnen angenommen. Schade, denn im Endeffekt geht es um ihr Bestehen der Abschlussprüfung.

6. Es wäre gut, wenn wir den Online-Unterricht auch in Zukunft in den Schul- und Berufsalltag integrieren könnten. Er bietet eine Plattform, auf innovative und stressfreie Art den Unterrichtsstoff zu behandeln. Ich habe festgestellt, dass es hier zu mehr Aufmerksamkeit und gezielteren Fragen durch die Schülerinnen kam. Dies lag vielleicht auch an der Situation, von zu Hause in vertrauter Umgebung lernen zu können.

7. Mit einem guten Miteinander und gegenseitiger Hilfe können wir diese besondere Situation meistern. Ich habe aber auch erlebt, dass sich Lerngruppen gebildet haben, und dass die Bereitschaft, auch in der Freizeit zu lernen, vorhanden war.

8. Ich wünsche mir auch, dass wir mit Ruhe, Sinn und Verstand durch diese spezielle Zeit kommen und wir die Einschränkungen, die unser Leben betreffen, als notwendig und richtig ansehen. Leider bemerken wir oft nicht, wie geringfügig diese doch in unser so privilegiertes Leben eingreifen.

Für die Zukunft hoffe ich, dass wir an diesen neuen Aufgaben wachsen und dass bald eine Lösung gefunden wird!

Allerdings hoffe ich auch, dass wir die durchaus guten Dinge, die sich in dieser Zeit entwickelt haben, nicht wieder aus den Augen verlieren. Dazu gehören unter anderem ein besseres Miteinander, statt als Einzelkämpfer zu agieren, ein besseres Verständnis für die Umwelt und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen, ohne immer dem Altbewährten nachzutrauern.

Andrea Brandner-Stein

Andrea Brandner-Stein ist Zahnmedizinische Fachassistentin und Praxismanagerin und arbeitet als Angestellte eines Berufskollegs im Bereich zahnärztliche Leistungsabrechnung. Darüber hinaus ist sie Prüfungsausschussmitglied und Referentin für Institute und die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe.

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