Anzeige
Plastische Abformung präziser, Intraoralscanner unterschiedlich gut
Neues_Wissenschaft

Oralmedizin kompakt: Frisches Wissen für Ihre Praxis

Für Ihre Patienten wollen Sie auf dem Laufenden bleiben. Welche Methoden funktionieren – und sind möglichst mit Studien abgesichert? Die Kolumne Oralmedizin kompakt liefert Antworten. Fachjournalist Dr. med. dent. Jan H. Koch sichtet für Sie laufend wissenschaftliche und praxisorientierte Publikationen oder berichtet von Veranstaltungen. Die Beiträge finden Sie online auf unserer Landingpage. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!


Nach einer Untersuchung der Züricher Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Dr. Albert Mehl sind Silikone (President, Coltène) bei der Abformung von Kronenstümpfen und Inlays genauer als alle acht getesteten Intraoralscanner [4]. Die Übereinstimmung war zudem je nach Scanner unterschiedlich, mit zum Beispiel einer mittleren Richtigkeit der präparierten Oberflächen zwischen 18,7 μm für Primescan und 41,7 μm für Cerec Omnicam Version 5.0.0 (beide Produkte: Dentsply Sirona) (Abweichungen vom Referenzmodell).

Die Werte der anderen Intraoralscanner lagen dazwischen, für die Silikonabformung wurden 12,2 μm gemessen. Bei der Richtigkeit der Präparationsränder waren die Werte mit durchschnittlich 22,4 bis 58,0 μm (Primescan/Omnicam) für alle getesteten Scanner und auch für Silikon (18,2 μm) schlechter als bei den Oberflächen.

In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass bereits frühere Studien Probleme bei der Wiedergabe von Präparationsrändern zeigten, zum Beispiel in Form von Abrundung. Die getesteten Intraoralscanner registrierten zudem die Geometrie der Zahnstümpfe mit unterschiedlicher Präzision. Aus den ermittelten Werten könne nicht die Restaurationspassung abgeleitet werden.

Diese zeigte sich jedoch in einer klinischen Studie für Intraoralscanner sogar als besser als für konventionelle Abformungen (Einzelkronen) [5]. Mehls Arbeitsgruppe war maßgeblich an der Entwicklung der beiden oben genannten Scanner beteiligt [4]. Die Autoren schlussfolgern, dass die Genauigkeit einiger der getesteten Scanner vergleichbar mit konventionellen Abformungen ist.

In einer weiteren Studie verglich die Münchner Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Jan-Fredrik Güth die Genauigkeit des Intraoralscanners iTero Element (Align Technologies) mit konventioneller Abformung [6]. Bei einem Patienten wurde je 12x ein standardisierter Steg abgeformt und das Ergebnis mit einem der klinischen Situation entsprechenden Polymermodell verglichen.

Es zeigte sich, dass der Intraoralscanner ebenso präzise war wie die Silikonabformung, bei der horizontalen Distanz und der Verzerrung zwischen den Zahnreihen sogar präziser. Diese Ergebnisse stimmen recht gut mit In-vitro-Ergebnissen der Züricher Arbeitsgruppe überein, in der wiederum – allerdings nach der Silikonabformung – der Primescan im Vergleich zu anderen Scannern am besten abschnitt [7].

Beiträge in der Rubrik Oralmedizin kompakt können in keinem Fall die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sind keine Behandlungsempfehlung, sondern sollen – auf der Basis aktueller Literatur – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.

Literatur

  • [4] Zimmermann, M., et al.; The Journal of the American Dental Association 2020. 151 (2): 127-135.
  • [5] Haddadi, Y., et al.; Clinical Oral Investigations 2019. 23 (11): 4043-4050.
  • [6] Keul, C., et al.; Clinical Oral Investigations 2020. 24 (2): 735-745.
  • [7] Ender, A., et al.; Int J Comput Dent 2019. 22 (1): 11-19.