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Delegation in der aufsuchenden Betreuung

Die 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin (DGAZ) vom 13. bis 15. Mai 2022 in Königstein (Taunus) stand ganz im Zeichen der aufsuchenden Betreuung – zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung.

Jahrestagung der DGAZ zeigt Fortschritte und die Mühen der Ebene

Neben dem Paragrafen 22a SGB V zur „Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen“ und der neuen PAR-Richtlinie stand das Thema „Delegation“ im Fokus der Veranstaltung. Auf der Podiumsdiskussion „Delegation zahnmedizinischer und zahnpflegender Leistungen in der aufsuchenden Betreuung“ – moderiert von Prof. Dr. Ina Nitschke, Präsidentin der DGAZ, und Dr. Dirk Bleiel, Vorstandsmitglied der DGAZ – kam zu einem lebhaften und engagierten Austausch zwischen Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der BZÄK, Martin Hendges, stellvertretender Vorsitzender der KZBV, Dr. Markus Mai, Präsident der Pflegekammer RLP, Dr. Elmar Ludwig, Referent für Alterszahnheilkunde der LZK BW, und Dr. Cornelius Haffner, München.

Nach geltendem Berufsrecht (2013) muss „der Zahnarzt bei der Erbringung von delegierbaren Leistungen nicht anwesend sein. Er muss sich aber in Rufweite und fußläufig … aufhalten“. Im Rahmen der aufsuchenden Betreuung werden derzeit nur etwa 10 Prozent der Pflegebedürftigen erreicht – in der häuslichen Betreuung sogar nur 4 Prozent. Für Benz ein Grund, gerade in der häuslichen Betreuung den Delegationsrahmen in ganz wenigen Leistungen – unter dem Motto „Delegation neu denken?“ – in diesem Rahmen zu debattieren, um hier eine mögliche Substitution der Zahnärzte durch andere Berufsgruppen zu verhindern. Sein Beispiel: die PZR. „Der Zahnarzt sieht den Patienten und legt die Leistung fest. ZFA/ZMP/DH kann Risiken erkennen. Zahnärzt:in ist telefonisch erreichbar und könnte zeitnah agieren,“ so Benz Diskussionsvorschlag.

Hendges wandte ein, dass die GKV nicht ansatzweise bereit sein werde, bei komplett delegierten Leistungen an ZFAs in der vertragszahnärztlichen Versorgung die gleiche Honorierung wie für Zahnärzte anzusetzen. Sein zweiter Punkt war der real existierende Fachkräftemangel. Jede Fachkraft sei schon in der Praxis voll ausgelastet. Hendges: „Ich glaube, wir müssen das Problem viel früher anpacken, weil wir einen Versorgungsabriss in der Praxis haben – vom Übergang der normalen Behandlung in der Praxis in die häusliche Pflege.“

Haffner bestätigte den akuten Fachkräftemangel. Er hätte schlicht niemanden den er noch zusätzlich alleine auf ambulante oder stationäre Pflege schicken könne. Zudem fände das Thema alter Patient in der ZFA-Ausbildung quasi nicht statt. Es gelte primär, Sachverstand zur Mundhygiene in die Ausbildung der Pflegekräfte zu bringen.

Ein Bild, das ein Auge mit blauer Iris einer älteren Frau zeigt

Die Jahrestagung der DGAZ stand ganz im Zeichen der aufsuchenden Betreuung – zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung. Viel diskutiertes Thema war die Delegation.

Benz erwiderte, die PZR sein der große Erfolg, dass die Kariesmedizin nun weniger werde. „Das ist eine der größten kulturellen Leistungen, die die Zahnmedizin in den letzten dreißig Jahren so weit nach vorne gebracht hat“, so Benz. Wie also soll die PZR gängig in die häusliche Pflege kommen? Ludwig betonte, dass die älteren Patienten die Hochrisiko-Patienten seien und auch das häusliche Umfeld Risiken berge. Wichtiger als die Frage der Delegation sei es, möglichst viele Zahnärztinnen und Zahnärzte zu gewinnen, sich an vulnerable Gruppen heranzuwagen und die Pflegebedürftigen entsprechend in der Praxis zu behandeln. Mai machte deutlich, dass etwa 700.000 Hausbesuche im Jahr nötig wären für die Pflegebedürftigen mit Mobilitätseinschränkungen. Derzeit sind es 220.000. Es folgte eine lebhafte Diskussion mit dem Auditorium. Der Grundtenor war die Fragestellung, wie auch die älteren Menschen regelhaft weiter in die Praxen zur Behandlung kommen – auch zur PZR.

Ob über Delegation, Verlängerung der Versorgung Pflegebedürftiger in den Praxen – die Diskussion muss und wird weitergehen. Das Ziel muss es bleiben, die Versorgung aller Pflegebedürftigen sicherzustellen. Ein weiter Weg derzeit.