Politik

Zahnärztinnen

„Gleichstellung steht ganz oben“

Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ – Dentista, im Gespräch mit dzw-Chefredakteur Marc Oliver Pick
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Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ – Dentista, im Gespräch mit dzw-Chefredakteur Marc Oliver Pick

Vom 9. November bis 9. Dezember 2019 findet die Wahl zur Kammerversammlung der Zahnärztekammer Nordrhein statt. Die dzw hat im Vorfeld mit Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ – Dentista, gesprochen. Das Interview führten dzw-Chefredakteur Marc Oliver Pick und Dr. Helge David.

Frau Dr. Klas, der VdZÄ und ­Dentista sind fusioniert. Was erhoffen Sie sich von der Fusion?

Anke Klas: Der VdZÄ ist ursprünglich aus Dentista entstanden. Dentista ist das Forum für Zahnärztinnen, die sich politisch positionieren wollten. Das ging damals nicht, weil auch die Zahntechnikerinnen Teil von Dentista waren. Deshalb mussten wir den politischen Verband aus Dentista herauslösen und einen eigenständigen Verband gründen. Das haben wir dann auch umgesetzt.
Etwa ein halbes Jahr später haben die Zahntechnikerinnen sich dann doch entschieden, Dentista zu verlassen. Da stellte sich für uns Zahnärztinnen natürlich die Frage, warum wir zwei Verbände oder Vereine haben sollten. Und in der Konsequenz sind wir dann wieder unter einem Dach zusammengekommen. Hier vereinen wir den politischen Teil, den wissenschaftlichen Teil sowie Forum und Fortbildung. Wir sind kraftvoller, kommunikativer und effektiver.

Könnte dadurch auch die politische Durchschlagskraft steigen?

Klas: Wahrscheinlich! Wir sind durch die Fusion noch präsenter. Dentista existiert seit 2007 und hat bis dato hervorragende Arbeit geleistet, was große Anerkennung unter der weiblichen Zahnärzteschaft findet. Der VdZÄ ist durch seine deutliche Positionierung in der politischen Landschaft bekannt geworden.

Wird es zur Nordrhein-Kammerwahl eine eigene VdZÄ-Liste ­geben wie in Thüringen?

Klas: Ja, die wird es geben. In Nordrhein gibt es die beiden Wahlbereiche Köln und Düsseldorf. Wir haben in beiden Wahlbereichen Listen aufstellen können. Wir sind insgesamt 30 Zahnärztinnen. Und wir bekommen laufend weitere Anfragen von Kolleginnen, die bei uns kandidieren wollen.

Stehen konkret zu dieser Wahl schon Männer auf ihren Listen?

Klas: Männliche Kollegen haben sich zur Verfügung gestellt, unser Wahlprogramm aktiv zu unterstützen. Die Teilnehmerinnen der Listen Nordrhein haben sich eindeutig für eine Aufnahme der Kollegen auf den Listen entschieden. Ich möchte aber betonen, dass sich diese Entscheidung ausschließlich auf Nordrhein bezieht. Wir stehen für Parität, und dies gilt gleichermaßen für Mann und Frau. Aber klar, aufgrund der weiblichen Unterrepräsentanz stehen die Damen auf den vorderen Listenplätzen.

Wie schätzen Sie Ihre Aussichten bei den Wahlen ein?

Klas: (lacht) Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ich denke schon, dass wir ein erfolgreiches Ergebnis erzielen werden. Wir haben ein gutes Wahlprogramm, dass neben den Belangen der ZahnÄrztinnen die gesamte Zahnärzteschaft einbezieht. Massgeblich wird auch die Wahlbeteiligung sein. Im Sinne einer lebendigen Demokratie kann ich nur jeden auffordern zu wählen. Nordrhein ist sehr modern, offen, interessiert und innovativ. Also, ich bin optimistisch.

Wie ist denn das Verhältnis von Zahnärztinnen zu Zahnärzten?

Klas: Der Frauenanteil bei gut 43 Prozent, was sich in den Wahl­listen auch abbilden müsste.

In der Standespolitik sind neben Frauen auch Jüngere ­unterrepräsentiert.

Klas: Ja, das stimmt! Verjüngung ist für uns auch ein ganz großes Thema, aber auch die Inhalte. Auf unseren Listen sind Frauen im Alter von etwa 30 bis 60 vertreten. Die älteren Damen bringen auch viel Erfahrung mit ein. Das zeigt sich schon in unseren Diskussionsrunden, wo viele Fragen bereits durch die älteren Kolleginnen geklärt werden können. Und wir als Ältere werden im Gegenzug dadurch bereichert, dass die Jüngeren innovative Ideen einbringen. Es ist ein sinnstiftendes Geben und Nehmen. Das ist ganz toll. Wer Augen und Ohren offen hält, der findet auch Nachwuchs für die Arbeit in den Gremien. Man muss natürlich den jungen Leuten vermitteln, dass sie gewollt sind mit ihren Ideen.

Ist es Ziel des VdZÄ, künftig bei allen Kammerwahlen eigene ­Listen aufzustellen?

Klas: Ja, das ist das Ziel. Langfristig. Wir sind nicht in allen Bundesländern gleich gut aufgestellt. Da sind auch Arbeit, Initiative und Engagement gefragt. In Westfalen-Lippe, wo fast zeitgleich Wahlen stattfinden, existieren zwei VdZÄ-Listen mit insgesamt 14 Kandidatinnen.

Wie bewerten Sie die Kammerwahl in Thüringen? Hier ist der VdZÄ erstmals mit einer ­eigenen Liste angetreten.

Klas: Der VdZÄ ist dort mit 13 Kandidatinnen angetreten. Davon haben vier den Sprung in die Kammerversammlung geschafft. Dieses aus dem Nichts zu schaffen, unmittelbar nach der Verbandsgründung, ist eine hervorragende Leistung. Und die Spitzenkandidatin Rebecca Otto hatte die drittmeisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten erhalten. Das war ein grandioses Ergebnis und ist ein Motivationsschub für unser Engagement. Jetzt geht die Arbeit weiter, um für die Zukunft noch mehr Sitze zu erreichen.

Gibt es derzeit nur zwei Wege, Frauenthemen auf die standespolitische Agenda zu bringen: entweder innerhalb des Männersystems oder als Frauenoppo­sition?

Klas: Derzeit sieht es in der Tat so aus. Ich hoffe aber, dass sich Parität in Zukunft auf allen Ebenen durchsetzt, woran der VdZÄ mit Vehemenz arbeitet. Dann erübrigt sich diese Zweiteilung. Themen wie Mutterschutz, Vereinbarkeit von Familie und Praxis oder Umgang mit alleinerziehenden Müttern und Vätern sind nicht nur Frauenthemen, sondern betreffen letztlich die gesamte Zahnärzteschaft.

Der VdZÄ hat sich ja für eine Frauenquote ausgesprochen. Nun lautet das Hauptgegenargument von Frauen, dass sie für ihre Kompetenzen und Leistungen gewählt werden wollen. Was entgegnen Sie?

Klas: Das hören wir natürlich ständig. Quote hat erst einmal rein gar nichts mit Qualität zu tun, weder im negativen noch im positven Sinne, nur weil beides mit Q anfängt. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck, um eine Ungerechtigkeit abzubauen und patente Frauen in Positionen zu bringen. Warum soll denn das weibliche Geschlecht partout inkompetenter sein? Frauen haben genauso ihre Erfahrungen, genauso ihren Beruf und interessieren sich genauso für politische Themen. Das Potenzial von Frauen ist vorhanden, es muss nur abgerufen werden.

Wie können mehr Jüngere sowie Frauen und Männer mit Kindern für die Standespolitik gewonnen werden?

Klas: Man sollte jungen Menschen das Gefühl vermitteln, dass sie in der Politik willkommen sind. Sie sollten integriert und ihre Meinung ernst genommen werden. Dazu kommen formale Verbesserungen. Beim VdZÄ halten wir beispielsweise unsere Vorstandssitzungen per Skype ab. Wenn wir uns in Gruppen treffen, suchen wir uns ein Lokal, wo Kinder ausdrücklich erwünscht sind oder ein Spielplatz dabei ist. Das funktioniert sehr gut. Wir arbeiten auch sehr fokussiert, sodass die Sitzungen nicht ausufern.

Was sind die wichtigsten ­Themen in Nordrhein?

Klas: Gleichstellung, das steht ganz oben. Der praktizierende weibliche Anteil sollte sich prozentual in den Vertreterversammlungen wiederfinden. Dann stehen Erhalt der Selbstbestimmung und der Freiberuflichkeit auf der Agenda. Dazu kommt der Abbau der Bürokratie – das ist ganz wichtig, weil die ­Bürokratieanforderungen viele junge Menschen davon abhält, sich selbst­ständig zu machen. Wir fordern auch eine familienkompati­ble Notdienstreform. Wir setzen uns gleichermaßen für Angestellte wie für Selbstständige ein.

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