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Medizinische Nothilfe für die Ukraine

Helfen wollen viele, aber nicht immer kommt die Hilfe auch dort an, wo sie am nötigsten gebraucht wird. „Die Bevölkerung in der Ukraine ist nach wie vor auf unsere Hilfe und Solidarität angewiesen“, erklärt Dr. Yaroslav Parpaley, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum und Vorsitzender des Vereins „Medizinische Nothilfe für die Ukraine“. Nach mehr als drei Monaten Krieg haben die internationalen Hilfsorganisationen inzwischen Zentren für die medizinische Versorgung in der Ukraine aufbauen können. „Doch diese Zentren beliefern vor allem die großen Krankenhäuser in den Metropolen. Schwieriger sieht es mit der medizinischen Versorgung hingegen auf dem Land aus und in kleineren Krankenhäusern, vor allem in Nähe der Frontlinie im Süden und Osten des Landes“, schildert Parpaley. Deshalb konzentriert sich der Verein aus dem Ruhrgebiet derzeit vor allem auf Hilfslieferungen in diese Gebiete.

Die Gründung des Vereins „Medizinische Nothilfe für die Ukraine e. V.“ zeugt davon, was man erreichen kann, wenn der Wille dazu besteht, von einer großen Liebe zur Heimat und der Solidarität unter Medizinern und über Ländergrenzen hinweg. Sie beginnt im Ruhrgebiet und geht weit über sie hinaus. Eigentlich hatte Parpaley die Absicht, in diesem Sommer mit seinen ehemaligen Kommilitonen den gemeinsamen Studienabschluss, der nun 20 Jahre zurückliegt, in Kiew zu feiern. Doch anstatt zu feiern, steht sich das Netzwerk aus etwa 160 Ärztinnen und Ärzten aus der gesamten Ukraine, Europa und den USA nun gegenseitig bei, kommuniziert auf kurzem Wege Hilfsbedarfe und sucht Unterstützung innerhalb und von außerhalb der Ukraine zu organisieren.

Sie opfern einen Großteil der Freizeit, um mit ihrem Know-how und ihren Verbindungen Kollegen und Patienten in der Ukraine zu helfen (von links): Dr. Yaroslav Parpaley (Vereinsvorsitzender), Iurii Snopok (2. Vorsitzender) und Dr. Johannes Jungilligens (Schatzmeister) vom Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum.

Vom Crowdfunding zum gemeinnützigen Verein

Wenige Tage nach Kriegsausbruch startet Parpaley ein Crowdfunding-Projekt für medizinische Hilfsgüter und Medikamente. Der Trumpf dieser Hilfssendungen sind dank der engen Absprachen Lieferungen nach dem tatsächlichen Bedarf, der Transport der Sendungen durch sichere Boten in der Ukraine und die Ankunftsbestätigung wiederum durch direkte Rückmeldungen oder Barcodescans. Schnell jedoch wird klar, dass diese Hilfe der Struktur in Form eines eingetragenen gemeinnützigen Vereins bedarf, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Innerhalb von zwei Wochen gelingt es, den gemeinnützigen Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen, ein Prozess, der normalerweise Monate in Anspruch nimmt.

Inzwischen hat der Verein medizinische Nothilfe im Wert von mehr als 100.000 Euro auf den Weg bringen können, dank der Beziehungen zu Apotheken und Lieferanten meist zu Einkaufspreisen. Nicht alle Anfragen kann der Verein bedienen, Bitten nach medizinischer Ausstattung, wie zum Beispiel Ultraschallgeräten, kann er nicht nachkommen, sondern man versucht, diese an andere Hilfsorganisationen weiterzugeben. „Natürlich können wir mit unserem kleinen Verein nicht die Ukraine retten, aber wir sind ein kleiner Teil, der seinen Beitrag dazu beitragen kann, die Not zu lindern“, so Papaley. Nach mehr als drei Monaten Krieg lässt die Spendenbereitschaft allerdings nach, der Hilfsbedarf leider aber nicht.

Portrait von Dr. Yaroslav Parpaley

Dr. Yaroslav Parpaley hat in Kiew studiert und engagiert sich jetzt für seine Kollegen und sein Heimatland.

Herr Dr. Parpaley, welche medizinischen Güter sind gerade in Ihrem Heimatland besonders rar und deshalb von Ihren Kollegen als Hilfslieferung angefragt?

Dr. Yaroslav Parpaley: Im Prinzip herrscht wegen problematischen Lieferketten nach wie vor Mangel an Medikamenten (Antibiotika, Beruhigungsmittel, Antiepileptika), Einmalmaterial (Spritzen, Zugänge, Infusionssysteme, Nahtmaterial) und Verbandsmaterial, insbesondere in östlichen und südlichen Teilen der Ukraine in der Nähe der Frontlinie. Besonders gefragt ist chirurgisches Instrumentarium, Materialien zu Wundversorgung und Blutstillung. Man merkt auch hier in Deutschland verlängerte Lieferzeiten für Artikel, die insbesondere die primäre Versorgung der Verletzten unter Kriegsbedingungen ermöglichen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Spenden auch wirklich dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden?

Parpaley: Da ich in Kiew Medizin studiert habe, verfüge ich über zahlreiche Kontakte zu Ärzten in unterschiedlichen Fachrichtungen, es handelt sich meistens um ehemalige Kommilitonen von mir oder deren direkte Kollegen. Nach der Bedarfsermittlung und Priorisierung kaufen wir von den Spendengeldern Medikamente, medizinisches Verbrauchsmaterial, Verbandstoffe und chirurgische Instrumente ein. Danach werden die Lieferungen mit dem Zieladressaten und Trackingcode markiert und über ehrenamtliche Helfer in die Ukraine gebracht. Dort erfolgt entweder die direkte Übergabe an den Empfänger oder der weitere Versand mit einem ukrainischen Paketdienst. Am Ende erfolgt die Rückmeldung mit Foto von der gelieferten Sendung direkt an mich oder an meine Kollegen aus dem Verein. Da wir überschaubare Mengen verschicken, können wir so den Überblick behalten und einzelne Lieferungen bis zum Adressaten verfolgen.

Sie stehen seit drei Monaten unter Strom, Ihre Kolleginnen und Kollegen vor Ort sehen die grauenvollen Auswirkungen des Krieges jeden Tag. Wie kommen Sie alle damit zurecht und wie kann man diese enormen Belastungen kompensieren?

Parpaley: Das Wunderbare an der ehrenamtlichen Tätigkeit ist, dass sie einem das Gefühl gibt, auch in einer solch schwierigen Situation etwas Sinnvolles tun zu können. Das befreit mich von der Machtlosigkeit und motiviert mich sehr. Natürlich ist dies auch eine Belastung, die von der Familie mitgetragen und verstanden werden muss. Wenn man aber positive Rückmeldungen und dankende Worte der Kollegen und Patienten aus der Ukraine bekommt, zahlt sich die investierte Energie gut aus.

In Deutschland wird derzeit viel über Waffenlieferungen gestritten. Wie stehen Sie der Diskussion gegenüber und sind Sie der Meinung, dass die humanitären und militärischen Hilfen der westlichen Welt für die Ukraine ausreichend sind?

Parpaley: Ich bin der Meinung, dass, obwohl bereits viel gemacht wird, der Bedarf an humanitärer und militärischer Unterstützung derzeit und leider auch in absehbarer Zukunft so enorm ist, dass die derzeitigen Hilfen der westlichen Welt nicht einmal annähernd ausreichen.

Welche Perspektive sehen Sie für die Ukraine und Ihre Kolleginnen und Kollegen vor Ort?

Parpaley: Es fällt mir schwer und ist meiner Meinung nach nicht besonders hilfreich, aktuell über die mittel- und langfristige Zukunft zu philosophieren, ich versuche möglichst konkret in der aktuellen Situation zu tun, was ich kann. Wenn mehr Menschen, die helfen wollen, das auch in Taten umsetzen würden, anstatt nur die schlimme Situation zu beklagen, könnte die Perspektiven für die Ukraine schon viel besser aussehen. Ich sehe viele motivierte Kollegen vor Ort in der Ukraine, die trotzt aller Umstände nicht die Hoffnung aufgeben und sehr kreativ und mit Optimismus erfüllt handeln. Das gibt auch mir die Hoffnung, dass sich unsere Bemühungen auszahlen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Spendenaufruf

Die „Medizinische Nothilfe für die Ukraine e.V.“ freut sich über Spenden auf eins der folgenden Konten: DE43 4306 0967 1279 0370 00 (GLS Bank) oder DE53 4526 1547 0015 8220 00 (Volksbank Sprockhövel e. G.). Das Finanzamt akzeptiert für Spenden bis 300 Euro als Bestätigung einen Kontoauszug. Bei größeren Summen wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt (bitte Vor- und Nachnamen sowie Anschrift im Betreff angeben).
medizinische-nothilfe-ua.org