Politik

Gesundheitsausschuss

Fremdkapital im Gesundheitswesen unterschiedlich bewertet

Die Finanziierung von Medizinischen Versorgungszentren war das Thema im Gesundheitsausschuss des Bundestags zu „Kapitalinteressen in der Gesundheitsversorgung“
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Die Finanziierung von Medizinischen Versorgungszentren war das Thema im Gesundheitsausschuss des Bundestags zu „Kapitalinteressen in der Gesundheitsversorgung“

Die AfD will kommunale MVZ stärken, während die Linke ein Transparenzregister für privatfinanzierte Einrichtungen im Gesundheitswesen fordert.

FVDZ warnt vor Fremdinvestoren

Anlässlich einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags, die entsprechende Fraktionsanträge zum Gegenstand hatte, hat der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) den Vorstoß, die Kapitalinteressen bei MVZ-Gründungen offenzulegen, begrüßt und erneut seinen Standpunkt klargestellt: „Investorengetriebene MVZ dienen nicht in erster Linie der optimalen Patientenversorgung, sondern dem Shareholder Value“, warnt der stellvertretende Vorsitzende des FVDZ-Bundesvorstands Peter Bührens. Der Fokus liege hier auf Gewinnmaximierung und schnellem Wiederverkauf, die Verantwortlichkeitsstrukturen seien oft undurchsichtig.
Mit großer Sorge sieht der FVDZ, dass gewinnorientierte Fremdinvestoren den Profit vor das Patientenwohl stellten und damit den bewährten Grundsatz der medizinischen und ethischen Selbstverpflichtung der (Zahn-)Ärzteschaft unterhöhlten. Der Verband wähnt hier nicht nur die Patientenorientierung als oberste Priorität in Gefahr, sondern fürchtet auch einen deutlichen Wettbewerbsnachteil für die niedergelassenen (Zahn-)Ärzte, die, anders als Gesellschaften, „in persona“ für die Konsequenzen ihres ärztlichen Tuns verantwortlich gemacht werden könnten.
Das Argument, dass investorengesteuerte MVZ Versorgungsengpässe auf dem Lande ausgleichen könnten, lässt der FVDZ ebenfalls nicht gelten, würden diese Einrichtungen in der Realität doch vornehmlich in renditestarken Ballungsgebieten gegründet und gerade nicht in ländlichen Regionen.

BKK sieht Fake-Debatte

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverband e.V., beurteilt in seiner Stellungnahme zum Antrag der Fraktion DIE LINKE die Situation ganz anders: „In der aktuellen Diskussion wird allerdings oft mit Thesen gearbeitet, die jeglicher Grundlage entbehren, diese gilt es zu entkräften:

Investorenkapital in MVZ ist ‚schlechtes‘ Geld. Eine Differenzierung in ‚gutes‘ oder ‚schlechtes‘ Geld im Gesundheitswesen ist entschieden abzulehnen. Nicht geleugnet werden sollte, dass die einzelne Arzt oder Zahnarztpraxis – sei sie noch so klein – auch nach Gewinn strebt. Kapitalinvestoren seien ausschließlich am schnellen Gewinn interessiert, würden den Markt aussaugen und dann wieder verschwinden und Versorgungsprobleme hinterlassen. Für diese Behauptung gibt es bislang keine Evidenz. Auch stellt sich die Frage, wieso ein Kapitalgeber nach dem Kauf das Geld abschöpfen und danach die Quelle des Geldschöpfens fallen lassen sollte. MVZ würden hauptsächlich in den Städten betrieben. Da die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland in Städten lebt, ist es auch verständlich, dass der Großteil der MVZ dort angesiedelt ist. Häufig sind es aber die MVZ, die Zweitpraxen auf dem Land eröffnen, rollierende Praxen ins Leben rufen,  in dem Gemeindehäuser angefahren  werden, und so eine ortsnahe Behandlungsmöglichkeit für die Bevölkerung sicherstellen.“

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