ZahnMedizin kompakt

Periimplantitis und Hardware

Einfluss von Material, Design und Oberfläche

Hybridabutmentkronen
Dr. Kay Vietor

Mit Hybridabutmentkronen, hier aus Lithiumdisilikat, lässt sich das Durchtrittsprofil weichgewebs- und zugleich hygienefreundlich gestalten.

Sind Mundhygiene und individuelle Risikofaktoren entscheidend? Oder eher Implantat, Abutment und Prothetik? Für stabile periimplantäre Gewebe dürften alle Faktoren relevant sein – neben einer geeigneten Behandlungsmethode. Aktuelle Daten zum Thema Hardware diskutiert die folgende Kurzübersicht.

Der erste Schritt ist immer eine gute Anamnese und Diagnostik: Wird eine Implantatversorgung bei meinem Patienten erfolgreich sein oder ist das Risiko zu hoch? Zentraler Faktor für Mukositis ist nach aktuellem Forschungsstand der Biofilm. Für Periimplantitis wurden Parodontitis, ebenfalls Biofilm (schlechte Mundhygiene) und fehlendes Recall identifiziert. Zu zahlreichen weiteren Faktoren, darunter Weichgewebsdimensionen und Einfluss der Behandlungsmethode, gibt es noch keinen Konsens.

Hygiene
Dr. Kay Vietor

Um eine gute häusliche und professionelle Hygiene zu ermöglichen, ist unbedingt auf ein physiologisches Design von Abutments oder Abutmentkronen zu achten.    

Implantate

Unklar ist auch, wie das ideale Implantatmaterial und die optimale Oberfläche aussehen könnten. Implantate aus Zirkonoxid, das im Weichgewebsbereich als besonders biokompatibel gilt, haben schlechtere Überlebensraten als das zuletzt umstrittene Titan. In Bezug auf Oberflächen deuten Studien darauf hin, dass „hybride“ Implantate – mit koronal maschinierten Anteilen – beginnenden Knochenabbau besser limitieren. Dass sich solche Oberflächen leichter reinigen lassen, könnte vor allem für Patienten mit erhöhtem Periimplantitis-Risiko relevant sein.

Abutment und Verbindung

Der Durchtritt des Implantats und – bei zweiteiligen Implantaten – des Abutments durch das Weichgewebe ist der „wunde“ Bereich. Dabei handelt es sich, noch stärker als bei Zähnen, um eine Schnittstelle zwischen weitgehend sterilem Körperinnerem und mikrobiologisch besiedelter oraler Außenfläche. Materialbezogen scheint hier Zirkonoxid Vorteile zu bringen. Für das Makro-Design von Abutments und die oberflächliche Mikrostruktur wurden dagegen keine Unterschiede festgestellt. Werden zweiteilige Implantate verwendet, scheint eine konische Innenverbindung mit Platform-Switching günstig. Das gilt aber nur, wenn die Schulter auf oder leicht unter Knochenniveau positioniert wird (abhängig von Implantatsystem und Anatomie). Um Infektion und nachfolgenden Knochenabbau zu verhindern, scheint ein Abstand von mindestens zwei Millimetern vom Knochen zum mukosalen Rand der Prothetik sinnvoll.

Gewebevolumen und Prävention

Weiterhin sollten die umgebenden Gewebe ausreichende Knochen- und Weichgewebsvolumina aufweisen. Auch sollten die Gewebe gesund und gut durchblutet sein. Nur so kann verhindert werden, dass pathogene Mikroorganismen in Richtung Knochen vordringen. Um eine gute häusliche und professionelle Hygiene zu ermöglichen, ist unbedingt auf ein physiologisches Design von Abutments oder Abutmentkronen zu achten.

Implantatprothetik

Natürlich müssen neben den sub- und transgingivalen Implantatkomponenten auch die implantatgetragenen Versorgungen beachtet werden. Zum Beispiel erwies sich in einer klinischen Studie eine Austrittswinkel von über 30 Grad, im Sinne einer Überkonturierung, als Risikofaktor für Periimplantitis. Dabei könnte auch die Entfernbarkeit von Zement eine Rolle spielen.

Fazit

Diese kleine Übersicht kann nur Schlaglichter auf ein hoch komplexes Thema werfen. Neben patienten- und methodenbezogenen Faktoren spielen das Design, das Material und die Oberflächen der Bauteile und Restaurationen eine wichtige Rolle. Für die entsprechende Gestaltung und Verarbeitung sind auch Zahntechniker gefragt. Nur durch gute Teamarbeit können dem gemeinsamen Patienten häusliche Hygienemaßnahmen erleichtert werden.


Hinweis

Beiträge in der Rubrik ZahnMedizin kompakt können in keinem Fall die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sind keine Behandlungsempfehlung, sondern sollen – auf der Basis aktueller Literatur – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.


Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).