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„Das Praxisteam spielt eine entscheidende Rolle“

Das Hygienemanagement beinhaltet viel mehr als nur die Wahl des richtigen Einmalhandschuhs und den sachgerechten Einsatz von Desinfektionsmitteln. Praxisinhaber und ihre Teams müssen eine ganze Reihe von aktuellen Vorgaben kennen, um einer Praxisbegehung gelassen entgegensehen zu können. Wir haben den Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Konstantin von Laffert befragt, was es im Falle des Falles einer Praxisbegehung alles zu beachten gilt.

Was bedeutet eine Praxisbegehung und wie oft wird sie durchgeführt?

Konstantin von Laffert: Bei einer Praxisbegehung werden durch die zuständigen Aufsichtsbehörden die Einhaltung der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes und des Medizinprodukterechts überprüft. Die Begehungen können anlassbezogen oder nicht anlassbezogen erfolgen. Anlass für eine Begehung können beispielsweise Meldungen von vermuteten Hygienemängeln bei den Behörden sein. Eine zeitliche Regelmäßigkeit bei den Begehungen ohne Anlass gibt es meist nicht, die Frequenz liegt im Ermessen der Behörden.

Medizinprodukterechtliche Überwachung variieren länderspezifisch

Wer führt die Praxisbegehungen durch und wer muss vonseiten der Praxis anwesend sein?

von Laffert: Die Zuständigkeiten für die medizinprodukterechtliche Überwachung variieren länderspezifisch. Diese Aufgaben können etwa von Gewerbeaufsichtsämtern, Regierungspräsidien oder Senatsbehörden wahrgenommen werden. Begehungen nach dem Infektionsschutzgesetz werden durch die Gesundheitsämter durchgeführt.
Anwesend sollte natürlich der oder die Praxisinhaber/in in seiner/ihrer Funktion als Hygieneverantwortliche/r sowie die oder der Hygienebeauftragte der Praxis sein.
 
Mit welcher Frist muss eine Begehung angekündigt werden?
von Laffert: Bei nicht anlassbezogenen Begehungen muss die Frist angemessen sein, bei anlassbezogenen Begehungen gibt es keine verbindlichen Fristen, auch eine sofortige Begehung ist theoretisch möglich.

Ablauf der Praxisbegehung

Wie läuft eine Praxisbegehung in der Regel ab?
von Laffert: Die Aufsichtsbeamten prüfen die Gegebenheiten vor Ort, schriftliche Unterlagen, beispielsweise den Hygieneplan, Arbeitsanweisungen und Validierungsberichte und befragen die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Konstantin von Laffert, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

Konstantin von Laffert, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

Welche Rolle spielt das Team bei einer Praxisbegehung?
von Laffert: Da hygienische Maßnahmen und die Aufbereitung von Medizinprodukten in der Regel von zahnmedizinischem Fachpersonal durchgeführt werden, spielt das Praxisteam eine entscheidende Rolle.

Worauf sollte das Team vor und während der Praxisbegehung besonders achten?

von Laffert: Eine Praxisbegehung sollte gut vorbereitet werden. Der ordnungsgemäße Zustand von Behandlungsräumen und Aufbereitungsräumen muss sichergestellt und die schriftlichen Unterlagen vollständig sein. Außerdem sollten alle Beteiligten in der Lage sein, Fragen korrekt zu beantworten.

Lagerung von Praxiskleidung

Was sind die häufigsten Beanstandungen bei einer Praxisbegehung?

von Laffert: Die Beanstandungen variieren in Abhängigkeit von den Praxisgegebenheiten und den Prüfschwerpunkten. Geprüft werden bauliche Gegebenheiten, organisatorische Maßnahmen, schriftliche Unterlagen und die Fachkenntnis des Personals.
Ein Beispiel aus Begehungen, bei denen ich anwesend war, ist die nicht zulässige Lagerung von Praxiskleidung in direktem Kontakt mit Privatkleidung.
 
Was kann eine Praxis tun, wenn sie eine Beanstandung als unbegründet ansieht? Kann die BZÄK/die Kammer hierbei Hilfestellung geben?

von Laffert: Gegen ergangene Bescheide kann Widerspruch eingelegt werden. Eine Beratung durch die zuständige (Landes-)Zahnärztekammer ist in jedem Falle zu empfehlen.

Wenn eine Beanstandung gerechtfertigt war und behoben ist – wird dann erneut (mit neuer Frist?) kontrolliert?
von Laffert: Ja, eine erneute Begehung ist möglich. Die Frist legt die Behörde fest. Meist handelt es sich dann um vier bis sechs Wochen.

Folgen bei gravierenden Mängeln

Welche Folgen kann eine Praxisbegehung für die Praxis haben?
von Laffert: Bei wirklich gravierenden Mängeln können die Behörden die Aufbereitung von Medizinprodukten oder sogar den Praxisbetrieb untersagen. Das sind allerdings sehr seltene Einzelfälle. In den meisten Fällen können eventuelle Mängel innerhalb der Frist beseitigt werden.

Gibt es einen Austausch zwischen der BZÄK/den Kammern und den Begehern und Begeherinnen beziehungsweise ihren Behörden, um beispielsweise häufige Missstände auszuräumen? Ist ein Austausch überhaupt erlaubt?
von Laffert: Die (Landes-)Zahnärztekammern stehen im ständigen Kontakt mit den Aufsichtsbehörden, um auftretende Probleme im Sinne der Patientinnen und Patienten sowie der Kollegenschaft zu lösen.
Über diese Gespräche tauschen sich die Referentinnen und Referenten für Praxisführung regelmäßig auf den Koordinierungskonferenzen der BZÄK aus.