Meine Meinung

Der Kommentar

Schneller, einfacher, vernetzter?

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick
dzw

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Später als in den Jahren zuvor wurde vergangenen Mittwoch mit der Europäischen Fachpressekonferenz der Startschuss zur diesjährigen Internationalen Dental-Schau in Köln gegeben. Und die wird es, so die Veranstalter VDDI und KoelnMesse, 2019 in sich haben: Zusätzlich zu den etablierten Hallen wird mit Halle 5 eine weitere große Ausstellungsfläche hinzukommen, und man hofft, an die Besucherzahlen der IDS 2017 anknüpfen, diese sogar übertreffen zu können.

Der Schwerpunkt lautet Digitalisierung. Das ist keineswegs überraschend, wenn man sich die zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen anschaut, die sich regelmäßig mit neuen technisch-digitalen Möglichkeiten auseinandersetzen. Gespräche am Rande dieser Veranstaltungen zeigen jedoch, dass digitale Verfahren – Bildgebung, Abformung, Konstruktion und Fertigung zum Beispiel von Zahnersatz – zwar praxisreif sind, viele Praxen und Dentallabore aber noch nicht bereit sind für den Schritt, Analoges aus dem Alltag zu verbannen. Die Krux dabei, so hört man oft, sei nicht die Technik an sich, sondern das, was sie erst praxistauglich macht: die Kompatibilität.

So zeigte der dzw-Experten-Round-Table zum Thema „Abformung: konventionell oder digital“, dass es gerade das Thema Kompatibilität ist, das viele Praxen, aber auch Labore, mit der Frage umtreibt, welcher Weg in den digitalen Einstieg denn nun der beste ist. Schließlich hängt ein reibungsloser Workflow davon ab, dass die Systeme verlustfrei und ohne Umwege kommunizieren. Angemerkt wurde auch, dass es laborseitig teuer sei, sich per Softwaremodul auf die verschiedenen im Markt verbreiteten Systeme einzustellen, um möglichst breit aufgestellt zu sein.

Was für die Bereitstellung und den sicheren Transfer von Daten für die Fertigung gilt, gilt erst recht für den Austausch sensiblerer Daten wie Patienten- oder Gesundheitsdaten. Vieles ist auch hier heute möglich. Im Unterschied zur Digitalisierung von Praxis- und Laborworkflows gab es hier keine vergleichbare evolutionäre Entwicklung, die TI wurde verordnet – und zwar für alle. Im Unterschied zu den digitalen Workflows in Praxen und Laboren gibt es aber hier verbindliche Standards. Allerdings zu einem Preis: Es hat drastische Verzögerungen gegeben, und langsamer als erwartet hat sich in diesem Bereich überhaupt so etwas wie ein Markt entwickelt.

Verordnen kann man die Digitalisierung von Praxis- und Laborworkflows glücklicherweise nicht, beschleunigen aber schon, indem statt Einzellösungen mehr offene Lösungen im Sinne offener Schnittstellen angeboten werden. Wie viel leichter würde es Zahnärzten und Zahntechnikern fallen, den Einstieg in die Digitalisierung zu finden, wenn die für Verunsicherung sorgende Frage nach der Kompatibilität wegfiele, man keine Bedenken haben müsste, mit der favorisierten Lösung am Ende ein digitaler Exot zu sein. Man darf gespannt sein, wie weit die IDS 2019 die Digitalisierung auch unter dem Gesichtspunkt der Vernetzbarkeit unterschiedlicher Systeme thematisieren wird.

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