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Die Zwei könnte zum Symbol einer Krise werden

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Vergangenen Donnerstagmorgen an der Tankstelle wird sich manch einer ge­ärgert haben, keine Erinnerung ans rechtzeitige Tanken in seinem Smartphone-Kalender eingerichtet zu haben, denn da war sie wieder, die Zwei vor den Spritpreisen auf den Anzeigetafeln. Grund: Am 31. August ist der „Tankrabatt“ ausgelaufen, seit Donnerstag, 1. September, fällt wieder der übliche Steuersatz auf Treibstoffe, vulgo Benzin und Diesel, an. Was für ein Zufall, dass der steuerredu­zierte Sprit pünktlich zur Neige ging …

Doch getankt werden muss, sonst ist es mit der Mobilität, der täglichen Fahrt zur Arbeit, schnell zu Ende. Ähnlich sieht es bei anderen Dingen der täglichen Daseinsvorsorge aus, bei Lebensmitteln, Strom oder Gas – was muss, das muss. Ganz anders aber wird über Produkte und Dienstleistungen nachgedacht, die nicht lebensnotwendig sind. Bei Bekleidung, Möbeln, Unterhaltungselektronik, beim Restaurant- oder Kino­besuch, bei der Planung des nächsten Urlaubs oder beim Gang zum Friseur fragt sich der eine oder andere schon, ob das jetzt wirklich sein muss.

Allgemeine Konsumzurückhaltung aufgrund steigender Preise

Angesichts der rasanten und kaum absehbaren Preisspirale für zum Beispiel Mietnebenkosten und Energiekosten wächst bei vielen die Sorge, bei der nächsten Nebenkostenabrechnung mit einer massiven Nachzahlung konfrontiert zu werden – die Abschlagszahlungen für die Stromanbieter sind bereits stark erhöht worden und geben einen bitteren Vor­geschmack auf das, was noch kommt oder kommen könnte.

Gut ablesbar ist die allgemeine Konsumzurückhaltung am aktuellen GfK-Konsumklima-Index. Der ist bereits im August auf den historisch niedrigen Index-Wert von minus 30,9 Punkten gefallen – doppelt so stark wie im Februar des zweiten Corona­jahrs 2021. Die Prognosen für September 2022 sagen sogar ein Rekordtief von mehr als minus 36 Punkten und damit eine ex­treme Konsumunlust voraus. 

Möglichkeiten, Ausgaben zu reduzieren

Entsprechend schrillen zum Beispiel beim Einzelhandel die Alarmglocken – aber nicht nur da. Letztlich konkurrieren auch Praxen und Dentallabore um das knapper werdende Gut „Geld“. Wer am Konsum spart, wird dort vermutlich nicht aufhören und nach weiteren Möglichkeiten suchen, Ausgaben zu reduzieren. Es liegt auf der Hand, das dies auch Auswirkungen beispielsweise auf die Um­set­zungs­­quote von Heil- und Kostenplänen haben kann oder wird.

Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahn­arzt. Wer keine akuten Probleme hat, möglicherweise aber nicht (auch wenn das unter Präventionsgesichtspunkten völlig kontraproduktiv ist). Es ist aber gut vorstellbar, dass in Praxen demnächst häufiger die Frage gestellt wird, wie lange man guten Ge­wissens ein Provisorium tragen kann …

Wie lange kann man das Provisorium tragen...

Noch scheint das Kind nicht in den Brunnen gefallen zu sein, noch besteht Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht ganz so dramatisch kommt, wie in den Publikumsmedien vorausspekuliert wird. Denn in Berlin soll ein weiteres Entlastungspaket entwickelt werden, um die finanzielle Situation der Bürger zumindest zu stützen. Auch gibt es erste Ideen aus Oppositionskreisen, den Energiemarkt eventuell doch einer veränderten Mechanik zu unterwerfen, um unkalkulierbare Preissprünge und vor allem ungerechtfertigte Mitnahmeeffekte der Energieanbieter zumindest abzudämpfen. Das alles wird allerdings nicht zu sofortigen Entlastungseffekten führen, selbst dann nicht, wenn man sich in Regierungskreisen mal überraschend schnell einig würde, wie vorzugehen ist.

Auf die Praxen könnte durchaus einiges an Extraberatungsaufwand zukommen, um Patienten von der letztlich gesundheitsgefährdenden „Verschieberitis“ abzubringen. Für die Zahnmedizin gilt mehr denn je das Motto „Gut beraten ist, wer jetzt gut berät.“