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„Prothetisches Wissen ist in der Zahntechnik zu Hause“

„Prothetisches Wissen ist in der Zahntechnik zu Hause“

Der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) und die Fachgesellschaft für Zahntechnik (FZT) haben beschlossen, künftig eng zu kooperieren. So wird etwa die Veranstaltung „Expertise – der Zahntechnikkongress“ gemeinsam mit dem VDZI-Branchentreff „Zahntechnik plus“ stattfinden. Welche Elemente die Kooperation darüber hinaus umfassen wird und wie die Arbeitsteilung aussieht, was die wichtigsten Ziele der kommenden Jahre sein werden und wann die neue Ausbildungsordnung für Zahntechniker:innen kommen wird, wollte die dzw zahntechnik Edition von VDZI-Präsident Dominik Kruchen und FZT-Generalsekretär Ralf Suckert wissen.

Herr Kruchen, Sie wurden einstimmig als Präsident des VDZI wiedergewählt. Wie fühlen Sie sich?
Dominik Kruchen: Auch mit großer Zustimmung muss man demütig gegenüber seinen Aufgaben bleiben. Denn diese sind nach wie vor zahlreich und komplex.

Was sind denn die wichtigsten Punkte auf der Agenda für die nächsten drei Jahre Ihrer Amtszeit?
Dominik Kruchen: Aus der Mitte unseres Landes ist gerade die Innung Thüringen wieder in den Verband eingetreten. Das war ein starkes Signal, aber wir müssen an der Geschlossenheit des Handwerks weiterarbeiten. Denn die zahlreichen Transformationen, die auf unser Handwerk wirken, können nur mit viel Zusammenhalt bewältigt werden. Hierfür müssen wir auch die Jüngeren vermehrt ins Boot holen. Die Innungsvorstände benötigen an vielen Stellen einen Generationswechsel, aber die Bereitschaft zum Engagement ist nicht überall vorhanden, da müssen wir mehr und besser motivieren.

Welchen Stellenwert wird das Thema Ausbildung haben?
Dominik Kruchen:
Nachwuchs finden, ausbilden und fördern ist ein Generalthema im gesamten Handwerk, ja in allen Wirtschaftsbereichen. Dementsprechend herrscht schon heute ein intensiver Wettbewerb um die besten Schulabgänger:innen. Um da nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen alle Beteiligten, VDZI-Innungen und Betriebe, mit zahlreichen Aktionen für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen. Der VDZI hat schon einiges auf den Weg gebracht, so wurde ein Auszubildender der Zahntechnik ein Kopf der Handwerkskampagne in Video und auf Großplakaten. Und mit der Neugestaltung des Praktischen Leistungswettbewerbes von Junggesell:innen erwarten wir weitere gute Momente für die Pressearbeit.

In Bezug auf die Nachwuchssorgen des Zahntechniker-Handwerks: Wann werden digitale Inhalte in die Ausbildung junger Zahntechniker:innen einfließen?
Dominik Kruchen: Die Betriebe selbst sind die größten Treiber der Digitalisierung, schon aus Eigennutz wurden in den vergangenen Jahren digitale Elemente vermittelt, obwohl diese noch nicht prüfungsrelevant sind. Änderungen einer Ausbildungsordnung erfordern einen langwierigen und komplexen Prozess mit vielen Beteiligten. Aber wir befinden uns auf der Zielgeraden, und wenn alle guten Willens sind, wird die neue Ausbildungsordnung ab dem 1. August 2022 gelten.

Müssen dafür bisherige Schwerpunkte der Ausbildung geopfert werden?
Dominik Kruchen:
Schon heute erfordert der Beruf des/der Zahntechniker:in unglaublich vielseitige Fähigkeiten, das wird auch in Zukunft nicht anders. Am Ende kommt es immer darauf an, Zähne und Zahnersatz korrekt in Morphologie, Funktion und Ästhetik herzustellen, ganz gleich ob analog oder digital. Aber bei den Prüfungsanforderungen musste aufgrund der heute geltenden Gesetze der Umfang natürlich angepasst werden.

Neben dem Thema Ausbildung: Wie wollen Sie den Beruf für den zahntechnischen Nachwuchs attraktiver machen?
Dominik Kruchen:
Wenn mit der neuen Ausbildungsordnung der Rahmen geschaffen worden ist, liegt es an den weiteren Akteuren, an einem positiven Bild der zahntechnischen Ausbildung zu malen. Durch Investitionen in die Überbetrieblichen Lehrwerkstätten und Berufsschulen, durch gut ausgebildete Lehrer:innen in ausreichender Anzahl und mit guter Ausbildung in den Betrieben selbst. In all diesen Bereichen gibt es noch Verbesserungsbedarf.

Thema MDR: Was sind die bisherigen Erfahrungen mit Umsetzung in den Meisterbetrieben
Dominik Kruchen:
Dieses EU-Gesetz hat uns nun schon einige Jahre beschäftigt, nicht alle Regeln waren von Anfang an klar formuliert, und noch immer gibt es in wenigen Punkten Klärungsbedarf. Aber die Betriebe haben unsere Broschüren und Seminare sehr gut angenommen und dürften in der Umsetzung schon recht weit gekommen sein. Trotzdem bleibt es eine Aufgabe des VDZI, die bürokratischen Aufwände in den Betrieben nicht überzustrapazieren und, wann immer es möglich ist, auch zurückzufahren. Die Politik verspricht hier immer viel – aber am Ende wird es wieder mehr an Verwaltungsaufgaben. Das ist unproduktiv und verhilft selten zu mehr Qualität.

Dominik Kruchen, Präsident des Verbands Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI)

Ralf Suckert, Generalsekretär der Fachgesellschaft für Zahntechnik (FZT)

Herr Suckert, Sie sind Generalsekretär der FZT. Was war die Idee hinter der Gründung der „Fachgesellschaft für Zahntechnik“?
Ralf Suckert:
Die Zahntechnik hatte vor Gründung der FZT keine eigene Fachgesellschaft. Und ohne eigene Fachgesellschaft ist die Kommunikation und Vernetzung mit zahnärztlichen Fachgesellschaften kaum machbar. Wir wurden in der Vergangenheit zwar standespolitisch vertreten, aber fachlich nicht ausreichend wahrgenommen. Das wollten wir ändern. Dafür steht die FZT.

Welche Verbände sind in der FZT vereint und warum gerade diese Verbände?
Ralf Suckert:
In der Gründungsphase war die FZT tatsächlich ein Zusammenschluss von Verbänden. Die meisten dieser Verbände wurden mittlerweile in die FZT integriert beziehungsweise zu Gunsten der FZT aufgelöst, etwa der FDZT oder dental excellence.

Herr Kruchen, eine neue, wichtige Veränderung ist die Zusammenarbeit mit der Fachgesellschaft für Zahntechnik. Wie kam diese Kooperation zustande?
Dominik Kruchen:
VDZI und FZT befinden sich schon seit längerem im Austausch über berufspolitische und technologische Fragen. Gerade in der Ausbildung verfolgen sie doch gemeinsame Ziele. Der Branchentreff „Zahntechnik plus“ beinhaltet auch einen Fachkongress, hier hat die FZT bereits viel Erfahrung gesammelt und wir sind froh, dass sie mit im Boot sitzt.

Warum die Kooperation mit dem VDZI?
Ralf Suckert:
Der VDZI und die FZT bemühen sich beide um die Zukunft der Zahntechnik. Eine Zusammenarbeit macht Sinn und ist von beiden Seiten gewünscht.

Und was erhoffen Sie sich von der Kooperation?
Ralf Suckert:
Mehr Schulterschluss in der Zahntechnik. Vielleicht etwas allgemeine Aufbruchsstimmung. Das beinhaltet unter anderem die Erkenntnis, dass die Standespolitik jede Kollegin und jeden Kollegen betrifft. Und dass unser eigentliches Kapital in unserer fachlichen Kompetenz und Expertise liegt. Diese gilt es zu erhalten und stetig zu erneuern. Für den Einzelnen bedeutet das: ein Berufsleben lang lernen. Auch die nächste Generation muss erkennen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Was ist das Ziel der Fachgesellschaft für Zahntechnik?
Ralf Suckert:
Wir vernetzen die Zahntechnik mit der Zahnmedizin und der Dentalindustrie, setzen uns für einen zeitgemäßen Stellenwert der Zahntechnik ein und engagieren uns in der zahntechnischen Fortbildung. Ganz besonders aktiv sind wir in der Nachwuchsförderung. Der Azubi-Kongress ist zum Forum für ambitionierte Azubis geworden. Ich darf an dieser Stelle unserem Beiratskollegen OStR Markus Lensing und der PAZ – der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Zahntechnik e.V. – sowie allen beteiligten Berufsschullehrerinnen und -lehrern für die fruchtbare Zusammenarbeit danken.

Haben Sie ein besonderes Auge auf die Praxislabore?
Ralf Suckert:
Nein, sicher nicht. Wir setzen uns für die Zahntechnik ein, das heißt alle Zahntechniker:innen können bei uns Mitglied werden. Allerdings sind 95 Prozent unserer Mitglieder gewerbliche Laboratorien. Im gewerblichen Labor ist die Tradition und Innovation unseres Handwerks gleichermaßen beheimatet. In gewerblichen Laboratorien wird von Zahntechnikermeister:innen der zahntechnische Nachwuchs ausgebildet. Praxislaboratorien leisten hier selten einen Beitrag; sie profitieren jedoch davon.

Was sind Ihre gemeinsamen Ziele?
Dominik Kruchen:
Da zitiere ich gerne aus unserer Vereinbarung: „Die Fachgesellschaft für Zahntechnik FZT und der VDZI streben eine umfassende und enge Zusammenarbeit in der Beförderung fachwissenschaftlicher Forschung, der Weiterbildung und der Nachwuchsförderung auf dem Gebiet der Zahntechnik an. Der VDZI verbindet das mit seinem Auftrag, die fachwissenschaftliche Forschung, die Weiterbildung und den Nachwuchs auf dem Gebiet der Zahntechnik zu fördern und in der Öffentlichkeit die fachlichen Kompetenzen des/der Zahntechniker:in die angemessene Beachtung zu verleihen.“

Herr Suckert, wo sehen sie Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede zum VDZI?
Ralf Suckert:
Der VDZI ist die standespolitische Vertretung der Zahntechnik. Wir hingegen sind eine Fachgesellschaft und kümmern uns um die fachlichen Fragen. Wir enthalten uns bewusst standespolitischen Fragen, denn standespolitische Interessen behindern uns manchmal in der Zusammenarbeit mit zahnärztlichen Fachgesellschaften. Tangiert die Standespolitik fachliche Aspekte, beziehen wir allerdings klar Stellung. Beispielsweise sind wir der Ansicht, dass der/die Zahntechniker:in Patientenkontakt benötigt, um arbeiten zu können. Ohne Patientenkontakt ist er/sie blind. Und wer möchte schon gerne blind arbeiten?

Welche Erwartungen haben Sie an die gemeinsame Veranstaltung „Zahntechnik plus“?
Dominik Kruchen:
Es ist schon sehr lange her, dass die Zahntechniker:innen eigenverantwortlich und unter eigener Regie eine solche Veranstaltung durchführten. Mit der Messe Leipzig haben wir endlich einen Partner gefunden, um eine einzigartige Kombination von Gremienveranstaltungen, Fachkongress mit kombinierten Workshops und themenbezogener Ausstellung durchzuführen. Impulsgeber des neuen Formats sind die technologischen und demografischen Entwicklungen unserer Branche und der damit einhergehende Strukturwandel sowie der Fachkräftemangel. Das verlangt einen 360-Grad-Blick – und den wollen wir bieten.

Welche Ziele und Wünsche haben Sie, wenn Sie an die Veranstaltung „Zahntechnik plus“ denken?
Ralf Suckert
: Wir haben qualitativ und quantitativ zumindest denselben Anspruch wie beim bisherigen FZT-Expertise-Kongress: Volles Haus sowie ein Forum für die gesamte Zahntechnik und die Dentalindustrie. Und wir haben den Wunsch, die Teilnehmer:innen mit glänzenden Augen und maximaler Motivation wieder in den Laboralltag zu entlassen.

Bleibt es für „Zahntechnik plus“ bei einem zweijährigen Rhythmus?
Ralf Suckert:
So weit sind wir noch nicht. Zuerst mal bemühen wir uns gemeinsam und in Pandemie-Zeiten darum, einen gelungenen Start hinzulegen. Der Expertise-Kongress war und ist als zweijähriges Kongressformat angelegt. Wenn sich die Zusammenarbeit bewährt, wird sich „Zahntechnik plus“ sehr wahrscheinlich danach ausrichten.

Wie wollen Sie und die FZT den Beruf des Zahntechnikers auch für die junge Generation nach der Ausbildung attraktiver machen?
Ralf Suckert:
Die Zahntechnik ist sehr attraktiv. Wir müssen lediglich die Chancen der Zahntechnik aufzeigen. Ergänzend zur Meisterprüfung werden zahntechnische Prothetik-Studiengänge entstehen. Dabei wird sich das klassische Berufsbild der Zahntechnik dem digitalen Wandel anpassen und noch facettenreicher werden. Der Zahntechniker und die Zahntechnikerin der Zukunft ist als Expert:in für Zahnersatz viel intensiver am und mit dem Patienten beschäftigt. Das geschieht zunehmend auf Wunsch der Zahnärzteschaft, denn auch dort wird erkannt, dass das prothetische Wissen in der Zahntechnik zu Hause ist. Der Zahnarzt und die Zahnärztin werden diese zahntechnisch-prothetische Expertise häufiger denn je nachfragen. Gute Chancen für die aktuelle und die nächste Generation von Zahntechniker:innen.

Herr Suckert, sind darüber hinaus weitere gemeinsame Projekte in Planung?
Ralf Suckert:
Natürlich gibt es weitere Projekte. Aber darüber sprechen wir ein andermal.