Ausbildung

Kolumne Sylvia Gabel

Ihr dürft Fehler machen!

Neu im Job! Keine Angst, das bekommt ihr hin.
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Neu im Job! Keine Angst, das bekommt ihr hin.

Am 1. August 2020 war es wieder so weit: Die neuen Auszubildenden haben ihren Ausbildungsberuf begonnen.

Seit Wochen sind alle Azubis neugierig und gespannt, wie sich das Arbeitsleben anfühlen wird: Sind alle Patienten nett? Wie ist der Ausbilder? Was werden meine Aufgaben sein? Nette Kolleginnen und noch andere Auszubildende vor Ort? Was erwartet mich? Welche Arbeiten darf ich als Auszubildende erledigen und was sind meine Aufgaben in der Praxis? Werde ich alles behalten, was ich lerne? Fragen über Fragen, die zum Teil hoffentlich im Vorfeld schon von vielen Praxen beantwortet wurden.
Die Vorsorgeuntersuchungen und die nötigen Impfungen sind bestimmt schon lange erledigt worden. Der Weg zur Praxis ist bestimmt zehnmal ausprobiert worden, um abzuschätzen, wie viel Zeit dafür benötigt wird (bitte auch den Stau mit einkalkulieren).

Und dann ist es endlich soweit – der erste Tag der Ausbildung zur/zum Zahnmedizinischen Fachangestellten. Am Morgen früh aufgestanden, geduscht und vor allem gefrühstückt. Auf dem Weg zur Arbeit sind bestimmt alle Gedanken um diesen ersten Tag gekreist. Die Familie hat bestimmt gute Tipps mit auf dem Weg gegeben, zum Beispiel: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ja, ein sehr altes Sprichwort, aber es hat wirklich noch Bedeutung.
Falls es mal irgendwann am Anfang nicht so gut funktionieren sollte und sich ein Fehler eingeschlichen hat: Lehrjahre sind keine Herrenjahre – ihr dürft Fehler machen, dafür macht ihr eine Ausbildung! Martin Rütter würde sagen: Ihr habt Welpenschutz.

Euer Empfang wurde bestimmt von dem Praxisteam gut vorbereitet und euer Ausbilder hat euch allen Kolleginnen und Kollegen vorgestellt. Ihr habt bestimmt die Praxiskleidung entgegengenommen, ihr habt euch umgezogen – und da war es dann, das Gefühl der Zugehörigkeit: Ja, auch ich bin nun ein Teil dieses Praxisteams.
Einatmen, ausatmen – jetzt beginnt der neue Lebensabschnitt, und zwar ein ganz spannender. Es liegt an euch selbst, was ihr daraus macht.

In den ersten Tagen gibt es viel zu merken, zu erfahren: Abläufe werden erklärt, Unterweisungen in die Schweigepflicht, den Daten- und den Arbeitsschutz. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was noch kommt. Aller Anfang ist schwer, aber man kann es schaffen.

Und dann steht noch die „Einschulung“ im Terminkalender. Ihr seid alle schon in der Berufsschule angemeldet. Auch das wird alles neu sein, da die Lernfächer anders sind als in der letzten Schule.

Drei Jahre hast du nun Zeit, diesen wunderbaren Beruf zu erlernen. Ein Beruf, der so viele Möglichkeiten durch Aufstiegs- und Weiterbildungen bietet. Es gibt viel zu tun – hört gut zu, beobachtet viel, fragt immer nach und befolgt alle Anweisungen.

Hilfreich ist für Auszubildende immer ein kleiner „Praxis-Knigge“, der weitere Fragen beantwortet: Wie verhalte ich mich Patienten und auch meinen Kolleginnen gegenüber? Was gehört zur Arbeitskleidung und wie sollte das äußere Erscheinungsbild aussehen? Wie sieht ein aufgeräumter Arbeitsplatz aus? Wie begrüßen wir unsere Patienten? Wie achten wir auf unser Betriebsklima? Wie verhalten wir uns dem Chef gegenüber? Und vor allem muss es eine klare Absprache zum Thema Ehrlichkeit geben.

Aller Anfang ist schwer, aber ihr könnt es schaffen! Natürlich ist so ein erster Arbeitstag im Beruf sehr anstrengend, in der allgemeinbildenden Schule war um 13 Uhr Feierabend, im Berufsalltag ist um 13 Uhr Halbzeit. Dann ist Mittagspause und danach geht es weiter.

In vielen Praxen gibt es auch einen Begrüßungsordner für die neue Auszubildende. Dieser enthält Informationen zu Arbeits- und Pausenzeiten, erste Anweisungen, Notenspiegel, Themen für Fachberichte, einen Kugelschreiber, einen Bleistift, ein Radiergummi und ein Notizheft. In dieses Notizheft könnt ihr Fremdwörter notieren, Fragen formulieren (!) und Abläufe eintragen.

Wenn euch etwas nicht klar ist: Bitte fragt immer nach! Da ist zunächst bei uns erfahrenen Kolleginnen viel Geduld gefordert, aber nach einigen Wochen ist dann sicher alles eingespielt und es läuft ruhiger und erfahrener. Mit viel Geduld, viel Einfühlungsvermögen und auch Vertrauen können wir euch so in den kommenden drei Jahren zu einer sehr guten Fachkraft ausbilden.

Wir müssen mit euch auch den Delegationsrahmen und das Zahnheilkundegesetz besprechen. Es darf nicht sein, das Azubis berichten, sie dürften nach drei Wochen Zahnstein entfernen oder im zweiten Jahr das Bleaching mit 40 Prozent H2O2 alleine am Patienten durchführen. Diese Arbeiten stehen nicht im Ausbildungsrahmenplan, sondern sind zahnärztliche Leistungen, die im Leistungskatalog BEMA stehen; delegiert werden darf die Zahnsteinentfernung nur an zumindest fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte beziehungsweise das Bleaching an eine ZMP, ZMF oder DH.
Dafür gibt es diese Aufstiegsfortbildungen. Eine Auszubildende darf diese Arbeiten nicht durchführen. Unser oberstes Ziel sollte sein, die Qualität in der Ausbildung zu erhöhen und viel Wissen zu vermitteln.

Allen neuen Auszubilden wünsche ich viel Freude und Spaß ihr rockt das!

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