Zahnmedizin

Neues aus der Forschung

Implantate Risikofaktor für Zahn-Infrakturen

Neues aus der oralmedinischen Forschung
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Dentale Infrakturen sind Risse oder Frakturen bis ins Dentin, die von koronal in Richtung apikal verlaufen. Die Prävalenz des englisch als Cracked tooth syndrome bezeichneten Phänomens wird mit bis zu 15 Prozent angegeben und tritt häufiger bei Zähnen mit großen Füllungen auf. Laut einer aktuellen Studie steigt das Risiko für Infrakturen, wenn Implantate vorhanden sind [1].

Eine retrospektive Auswertung von 285 Zähnen bei 212 Patienten ergab, dass die relative Chance (Odds-Ratio) für Infrakturen in Patienten mit einem oder mehreren Implantaten 9,78 beträgt. Das entspricht 41 Prozent aller betroffenen Zähne und einer knapp zehnmal höheren „Chance“ im Vergleich zu Zähnen, bei denen sich keine Implantate im selben Mund befinden. Die Frakturen traten in 70 Prozent der Fälle mindestens ein Jahr nach der Implantation auf.

Prämolaren mit 30 Prozent häufiger frakturiert als andere Zahntypen

Bei jedem zweiten betroffenen Zahn waren die Implantate im Gegenkiefer lokalisiert (direkte Antagonisten oder auf der Gegenseite, durchschnittlich 3 Implantate pro Patient). Die insgesamt 80 frakturierten Zähne waren endodontisch unbehandelt, hatten aber in 71 Prozent eine Amalgamrestauration (Studie stammt aus Israel). Diese Zähne hatten zudem häufiger multiple Frakturen. Prämolaren waren mit 30 Prozent häufiger frakturiert als andere Zahntypen. Von den betroffenen Zähnen waren 79 Prozent vital und nur 14 Prozent hatten pathologische periapikale Befunde. Die Diagnostik erfolgte mit Röntgenbildern und klinisch mit OP-Mikroskop und Ethylenfärbung.

Die Autoren folgern, dass Implantate einen Risikofaktor für Infrakturen darstellen könnten. Das gilt auch für Prämolaren und Amalgamfüllungen, die allerdings in Deutschland immer seltener gelegt werden. Prospektive Studien mit größeren Stichproben sind nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Solche Studien könnten weitere ätiologische Faktoren ermitteln, zum Beispiel okklusale Beziehungen und Restaurationstyp. So wäre nach Ansicht des Autors dieser Studienbesprechung von Interesse, ob adhäsive Kompositfüllungen das relative Risiko für Infrakturen reduzieren. Weiterhin könnte die Prognose betroffener Zähne bei Patienten mit Implantaten im Vergleich solchen ohne Implantate genauer untersucht werden.

Dr. Jan H. Koch

Literatur

[1] Rosen E, Volmark Y, Beitlitum I, Nissan J, Nemcovsky CE, Tsesis I. Dental implant placement is a possible risk factor for the development of multiple cracks in non-endodontically treated teeth. Scientific Reports 2020;10:8527.

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