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Alles Müll?

Nachhaltigkeit in der Praxis

Hände halten Müll nach oben
Pixel-Shot / stock.adobe.com

Das Potenzial ist groß: Man braucht sich nur umzuschauen und man findet Dinge, bei denen gespart, reduziert oder ganz vermieden werden kann und trägt so zu einem nachhaltigeren Leben bei. Es muss nicht immer gleich der ganze Lebensstil verändert oder auf etwas verzichtet werden, auch, weil einige nachhaltige Alternativen manchmal nicht die einfachsten, günstigsten oder bequemsten sind. Die Entscheidung für oder gegen etwas ist nicht immer einfach: Verzichte ich auf Einwegartikel und reduziere damit den Müll, muss ich dementsprechend die Artikel reinigen und sterilisieren. Das kostet Zeit und Energie. Ist das also die bessere Alternative? Hier muss jeder selbst entscheiden. Doch sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

EU-Verbot für Einwegplastik

Bereits 2018 hat das EU-Parlament dem Vorschlag der Kommission zugestimmt, dass ab 2021 in allen EU-Mitgliedsstaaten folgende Einmalgegenstände aus Plastik, für die es bereits heute bessere Alternativen gibt, verboten werden sollen: Besteck (Gabeln, Messer, Löffel, Essstäbchen), Geschirr (Teller, Schalen), Strohhalme, Verpackungen für warme Speisen oder Getränke aus Styropor sowie Wattestäbchen mit Plastikschaft. Außerdem wird angestrebt, die Anzahl an Einmalessensverpackungen, Becher aus Plastik und deren Zubehör erheblich zu reduzieren sowie den Anteil an recyceltem Material zu erhöhen.

Einweg in der Praxis

Ob Handschuhe, Spülbecher, Polieraufsätze oder Sauger, überall in der Praxis gibt es Einwegartikel. Allerdings sind hier nicht immer sinnvolle Alternativen vorhanden, da bei den hohen Hygienestandards die Verwendung von Einmalprodukten häufig der einfachste Weg ist. Doch bei Mundspülbechern gibt es recycelbare oder kompostierbare Alternativen aus biologischen Kunststoffen oder Papier. Auch Mehrweg bietet sich hier an. Becher aus Glas, aus autoklavierbaren oder anderen heiß waschbaren Materialien können genutzt werden. Natürlich kann man die Patienten ebenfalls bitten, ihren eigenen Becher zur nächsten Behandlung mitzubringen. Bei der steigenden Anzahl an Patienten, die Wert auf eine gute Ökobilanz auch bei Dienstleistern legen, ist das zusätzlich ein positiver Faktor für das Marketing und die nachhaltige Patientenbindung.

Baumwoll- statt Papierhandtücher

Je länger die Öffnungszeiten der Praxis, desto häufiger werden sich die Hände gewaschen und desto mehr Papierhandtücher landen im Mülleimer. Eine sinnvolle Alternative sind beispielsweise Baumwolltuchrollen aus der Gastronomie. Das spart nicht nur Ressourcen und sorgt für weniger Müll, sondern ist auch angenehmer auf der Haut.

Nachfüllpackung und große Mengen

Der Trend steigt, nur noch das zu bestellen, was gerade benötigt wird. Schließlich ist heutzutage alles jederzeit und unkompliziert verfügbar. Grundsätzlich ist das ein gutes Prinzip. Allerdings sollten Materialien, die ohnehin regelmäßig verwendet werden, mit Bedacht bestellt werden, sodass sie für einen längeren Zeitraum ausreichen. Diese Vorgehensweise ist nicht nur nachhaltig, sondern gleichzeitig auch noch kostensparend: Größere Mengen werden in der Regel günstiger angeboten, es entsteht weniger Verpackungsmaterial und die Versandkosten reduzieren sich auf ein Minimum.

Digital statt analog

Schnell, einfach und effizient – die meisten Prozesse in einer Praxis lassen sich heute digital abbilden. Vom Röntgen und Abformen über die Patientenanamnese, das Recallsystem oder auch nur Notizen für die Kollegin: An vielen Stellen lässt sich Material einsparen, besonders in Form von Papier. Und wenn es doch Papier sein muss, weil der Patient seine Rechnung in gedruckter Form benötigt oder sich den Termin ohne Zettel nicht merken kann, gibt es auch hier eine Lösung: Papier, das aus einem Großteil oder sogar zu 100 Prozent aus Altpapier besteht und chlorfrei gebleicht wurde. Auch das leistet einen, wenn auch kleinen, ökologischen Beitrag und macht den Unterschied.

Wasser kommt nicht nur aus Flaschen

Wer regelmäßig Wasser trinkt, hat zwei Optionen: Entweder man kauft Wasser oder man nimmt es einfach aus dem Wasserhahn. Kaufen hat den Nachteil, dass das Wasser von A nach B transportiert werden muss. Plastikflaschen sind schön leicht, aber nicht gerade umweltbewusst; Glasflaschen sind schwer zu tragen. Überall in Deutschland hat das Wasser aus dem Hahn eine gute Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden. Sollte das Wasser regional allerdings zu kalkhaltig oder durch die Leitungen im Haus „verunreinigt“ werden, kann man sich mit Wasserfiltern behelfen.

Der Weg ist das Ziel

Jeden Tag alleine mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, ist vielleicht bequem, aber nicht zwangsläufig umweltschonend. In größeren Städten mit guter Anbindung bieten sich auch Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an, das hat den positiven Nebeneffekt, dass man während der Fahrt abschalten kann, etwas lesen, Musik hören, surfen. Vielleicht bietet sich aber auch eine Fahrgemeinschaft an oder der Weg ist kurz genug, dass man auch mit dem Fahrrad oder sogar mal zu Fuß gehen kann.

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