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Mundtrockenheit und Zungenbrennen

Wechseljahre im Mund

Tritt Mundtrockenheit kombiniert mit Zungenbrennen auf, kann dies auf eine eigenständige Erkrankung hinweisen: dem Burning Mouth Syndrom (BMS).
Joachim Werner

Tritt Mundtrockenheit kombiniert mit Zungenbrennen auf, kann dies auf eine eigenständige Erkrankung hinweisen: dem Burning Mouth Syndrom (BMS).

Schauen wir einmal auf die Bedeutung des Wortes „Klimakterium“: Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „kritischer Zeitpunkt im Leben”. Ist es wirklich nur der Hormonhaushalt, der in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht gerät?

Nein, denn es treten eine Reihe lästiger Reaktionen des Körpers auf. Dazu können Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schwindel, nassgeschwitzte Bettlaken, quälende Kopfschmerzen und Mineralstoffmangel gehören. Aber auch die Mundhöhle bleibt bisweilen nicht verschont. Hier werden häufig unangenehme Erscheinungen wie Mundtrockenheit (Xerostomie), Mundgeruch (Halitosis) und starkes Zungenbrennen beziehungsweise das sogenannte Burning-Mouth-Syndrom beschrieben

Oft zeigen sich viele der Sym­­ptome zeitlich versetzt. Sie können aber auch gleichzeitig auftreten, was den Leidensdruck für viele Frauen noch einmal erheblich verstärkt.

Mundgesundheit in den Wechseljahren

Die Abnahme der gonadotropen Hormone der Hirnanhangsdrüse bewirkt eine stetig sinkende Östrogenproduktion. Da sowohl in der Wangenschleimhaut als auch in den Speicheldrüsen Sexualhormonrezeptoren nachgewiesen werden, ruft der Mangel an Östrogenen auch hier Symptome hervor. Es kann zum Austrocknen der Mundschleimhaut kommen, die daraufhin empfindlich und gereizt reagiert.

Hinzu kommen psychische Probleme wie Depressionen, Angstzustände und Stress. Viele Frauen sind aufgrund dieser Symptome schlecht gelaunt, fühlen sich niedergeschlagen und ausgebrannt. Die daraus immer wieder resultierende notwendige Medikamenteneinnahme kann die Mundtrockenheit zusätzlich triggern. Das Zusammenspiel dieser Komponenten kann weiterhin zu einem Vernachlässigen der Mundhygiene führen.

Mundtrockenheit –  vielfältige Ursachen

Das Zusammenziehen der Schleimhäute – im Fachjargon: Adstringieren – sorgt für eine Art stumpfes, pelziges Gefühl im Mund. Dieses kann wochen- beziehungsweise tagelang anhalten oder aber auch nur während der Monatsblutung verstärkt auftreten.

Der Rückgang der Speichelproduktion verschlimmert dies und nimmt großen Einfluss auf die Zahngesundheit. Denn unser Speichel übernimmt vielfältige Aufgaben, nicht nur die Befeuchtung und den Schutz der Schleimhäute. Er sorgt auch für die initiale Verdauung der Nahrung, die Remineralisierung der Zahnhartsubstanz, regelt die Pufferung des pH-Werts, erhöht die Gleitfähigkeit/Emulsion der Nahrung beim Schlucken und übernimmt eine Spülfunktion. Nicht zuletzt dient er als Abwehrmechanismus gegenüber Bakterien, Viren und Pilzen. Werden diese wichtigen Funktionen über längere Zeit gestört, können starke Beeinträchtigungen der Lebensqualität oder sogar massive Erkrankungen entstehen.

Viele Symptome der Mundtrockenheit werden nicht nur durch den veränderten Hormonhaushalt verursacht, sondern können auch durch eine zu geringe Wasseraufnahme oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Blutdrucksenker, Antidepressiva und Antibiotika hervorgerufen werden.

Auch bestimmte Nahrungsmittel wie verschiedene Obstarten (saure Äpfel, Bananen …), Getränke (Rotwein und Tee) und Kosmetika beziehungsweise deren Inhaltsstoffe (wie vor allem Gerbstoffe/Tannine) können das Erscheinungsbild verschlimmern.

Viele Symptome der Mundtrockenheit werden nicht nur durch den veränderten Hormonhaushalt verursacht, sondern können auch durch eine zu geringe Wasseraufnahme oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente hervorgerufen werden.
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Viele Symptome der Mundtrockenheit werden nicht nur durch den veränderten Hormonhaushalt verursacht, sondern können auch durch eine zu geringe Wasseraufnahme oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente hervorgerufen werden.

Folgen der Mundtrockenheit

Als Folgen werden in der Praxis häufig ein erhöhtes Karies- und Gingivitisrisiko, Schleimhautreizung, entzündete Papillen an der Zunge oder eine spröde Schleimhaut diagnostiziert. Aber auch Missempfindungen, Schmerzen, ein erhöhter Muskeltonus, Pressen, Verspannungen, Geschmacksbeeinträchtigungen und psychische Belastungen durch die Beeinträchtigung des Sprechens werden von den betroffenen Patientinnen geschildert. Durch die ständige Suche der Zunge nach Speichel können sich zudem Habits in der Mimik manifestieren.

Deshalb ist eine regelmäßige orale Inspektion und Beobachtung beziehungsweise Kontrolle der Speichelmenge auch bei der Prophylaxe für eine genaue Risikoeinschätzung unerlässlich.

Das Zungenbrennen oder Burning-Mouth-Syndrom (BMS)

Tritt Mundtrockenheit kombiniert mit Zungenbrennen auf, kann dies auf eine eigenständige Erkrankung hinweisen. Die Rede ist dann vom Burning Mouth Syndrom (BMS). Dahinter verbergen sich anhaltende brennende Schmerzen, hauptsächlich an der Zungenspitze und am bilateralen Zungenrand.

Dabei muss sich das Symptom nicht auf die Zunge beschränken, es kann sich auch auf die Mundschleimhaut, die Innenseiten der Lippen, den Gaumen und die Innenseite der Wangen ausdehnen. Besonders stark äußern sich die Missempfindungen jedoch meist an der Zungenspitze und an den Rändern der Zunge.

Die Missempfindungen sind typischerweise am Morgen noch milde und können sich als leichtes Wundgefühl bemerkbar machen. Im Verlauf des Tages bis zum Abend entwickelt sich das Zungenbrennen bis hin zum Schmerz. Meist kommen dann auch noch Entzündungen einzelner Geschmackspapillen auf der Zunge hinzu. Die entzündeten Papillen lassen sich als kleine weiße Noppen erkennen und ertasten.

Ursachen können Vitamin-B12-, Folsäure- und Eisenmangel sein sowie chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, das Sjögren-Syndrom oder Multiple Sklerose. Hier kann eine Blutuntersuchung (Blutspektralanalyse) von einem Allgemeinmediziner oder Heilpraktiker Aufschluss geben. Bei psychischer Belastung wird das Zungenbrennen meist verstärkt.

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Nährstoffmangel im Klimakterium

All diese Hormonschwankungen, Stress und Medikamente kosten den Körper viel Energie und verbrauchen Vitamine und Mineralstoffe.

Heutzutage ist es kaum möglich, diese Defizite über eine ausgewogene Ernährung auszugleichen, da aus Zeitmangel oft auf industriell verarbeitete Lebensmittel oder Fast Food zurückgegriffen wird. Hinzu kommt die verminderte Kalziumaufnahme durch den Östrogenmangel.

Wird ein Nährstoffmangel jedoch nicht durch Substitution – etwa in Form von Nahrungsergänzungsmitteln – ausgeglichen, kann die Gefahr bestehen, dass der Knochenstoffwechsel gehemmt wird. Die Knochensubstanz nimmt deshalb häufig während der Wechseljahre ab. In Verbindung mit einem langanhaltenden Vitamin-D-Mangel kann das zu einem verminderten Halt der Zähne und erhöhter Entzündungsneigung führen.

Ein Nährstoffmangel sollte durch eine Substitution ausgeglichen werden.
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Ein Nährstoffmangel sollte durch eine Substitution ausgeglichen werden.

Vor allem bei Patientinnen mit parodontaler Erkrankung können sich die Folgen für die Mundgesundheit während der Wechseljahre deutlich bemerkbar machen.

PAR und Kariesrisiko

Zum Wechselbad an Gefühlen und zu den Schwankungen der Hormone kommt bei vielen Frauen auch der Heißhunger auf zuckerhaltige Lebensmittel hinzu. Die mögen zwar in dieser Zeit ein süßer Freund sein, aber sie sind auch ein großer Feind, weil das Kariesrisiko zusätzlich erhöht wird.

Da in dieser Zeit der normale Schutzmechanismus des Speichels herabgesetzt ist, kann es durch die Säurebildung aus zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken zu großen Schäden an der Zahnhartsubstanz kommen.

Durch eine erhöhte Aufnahme von Zucker und kohlenhydratreicher Nahrung kann auch bei Zahnfleischerkrankungen das Entstehen entzündungsfördernder Botenstoffe im Gewebe noch weiter begünstigt werden.

Deshalb ist eine Ernährungsberatung oder auch ein Bluttest zum Abklären eines Nährstoffmangels im Zuge der Prophylaxe einer umfangreichen Versorgung mit Zahnersatz oder im Rahmen eines PAR-Konzeptes immer zu empfehlen.

Zahn- und Schleimhautpflege

Bei beiden beschriebenen Symptomen eignet sich das Ölziehen als Maßnahme. Die Studienlage hierzu lässt zwar noch keine medizinisch eindeutige Empfehlung zu, aber meine persönlichen Erfahrungen sind sehr gut, weshalb ich diese gerne weitergeben möchte.

Ölziehen schützt

Beim Ölziehen steht in diesem Fall nicht die Schadstoffbindung oder Ausleitung im Vordergrund, sondern die Bildung einer Lipidschutzschicht für Schleimhäute und Zähne. Sie dient der Befeuchtung, Pflege und Schmerzlinderung der Schleimhäute, gleichzeitig verhindert sie die Anlagerung von Plaque auf den Zahnoberflächen.

Zum Ölziehen eigenet sich prinzipiell jedes biologische Öl - aber es sollte schmecken.
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 Prinzipiell eignet sich jedes biologische Öl - aber es sollte schmecken.

Deshalb ist es empfehlenswert, mehrmals am Tag eine kleine Menge des Öls in den Mund zu nehmen und kurz einwirken lassen. Sehr angenehm sind Öle, die einen frischen Geschmack im Mund hinterlassen, oder aber Öle mit einem hohen Vitamin-Gehalt zur intensiven Pflege.

Prinzipiell eignet sich jedes biologische Öl. Wichtig dabei ist aber: Sie sollten schmecken.

Abgestimmte gebrauchsfertige Mischungen von unterschiedlichen Ölen und ätherischen Essenzen können Effektivität und Wirkung verstärken, da sie häufig entzündungshemmende und leicht schmerzlindernde Eigenschaften aufweisen.

Alle Pflegeprodukte sollten frei von Gerbstoffen und Alkoholen sein und möglichst wenig Aromastoffe enthalten, um Reizungen und Brennen der Schleimhäute zu vermeiden oder zu reduzieren. Optimalerweise sind sie auch frei von Tensiden, Natriumlaurylsulfaten oder Parabenen.

Zahnpasta und weiter Mundhygienemaßnahmen

Zusätzlich sind bei der häuslichen Mundhygiene biologische Zahnpasten aufgrund vieler pflegender und speichelstimulierender Inhaltsstoffe zu bevorzugen. Aufgrund des möglicherweise erhöhten Kariesrisikos ist jedoch eine zusätzliche Fluoridzugabe zu überdenken.

Neben der intensiven Mundhygiene können zum Beispiel zuckerfreie Kaugummis mit Xylit eine zusätzliche Unterstützung bei der Remineralisation darstellen. Klinische Studien konnten zeigen, dass durch Kauen von zuckerfreiem Kaugummi nach den Mahlzeiten und Snacks der Kariesbefall um 10 bis zu 40 Prozent reduziert werden kann.

Auch Probiotika sind zur Unterstützung der Symbiose der Mundflora und zur Stärkung der natürlichen Abwehr empfehlenswert und greifen positiv in den Bakterienhaushalt ein.

Zusammenfassung

Um Patientinnen, die sich in der Phase des Klimakteriums befinden und eine Vielzahl an Erscheinungs- und Krankheitsbildern aufweisen, erfolgreich zahnmedizinisch zu betreuen, ist es wichtig, ein erfolgreiches, aufeinander abgestimmtes Behandlungskonzept anzubieten.

Eine genaue Anamnese, Diagnostik sowie eine intensive, engmaschige Betreuung mit Reinigung und Infektionskontrolle sowie Mundhgyieneinstruktionen durch das zahnmedizinische Prophylaxeteam und den behandelnden Zahnarzt sind unverzichtbar.

DH Birgit Schlee, Heilbronn