Oralmedizin kompakt

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Pneumatisierung der Kieferhöhle nach Zahnverlusten

Neues aus der oralmedinischen Forschung
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Oralmedizin kompakt: Frisches Wissen für Ihre Praxis

Für Ihre Patienten wollen Sie auf dem Laufenden bleiben. Welche Methoden funktionieren – und sind möglichst mit Studien abgesichert? Die Kolumne Oralmedizin kompakt liefert Antworten. Fachjournalist Dr. med. dent. Jan H. Koch sichtet für Sie laufend wissenschaftliche und praxisorientierte Publikationen oder berichtet von Veranstaltungen. Die Beiträge finden Sie online auf unserer Landingpage. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Pneumatisierung der Kieferhöhle nach Zahnverlusten

Nach Zahnverlusten wird der Alveolarkamm vertikal und horizontal reduziert [1]. Ursache ist der Abbau des zum Parodont gehörigen Bündelknochens und in der Folge auch von Teilen des Alveolarfortsatzes. In zahnlosen Oberkieferabschnitten scheint die oft minimale Dicke der Knochenlammelle darauf zu beruhen, dass sich das Kieferhöhlenvolumen vergrößert. Eine Arbeitsgruppe der Universitäten Aachen, Witten/Herdecke und Leipzig entwickelte ein DVT-gestütztes Verfahren, mit dem sich verbleibende Dimensionen des Alveolarknochens und das Kieferhöhlenvolumen nach Zahnverlusten im Oberkiefer bestimmen lassen [2]. Zusätzlich kann ein zeitlicher Verlauf der Veränderungen ermittelt werden.

Im Gegensatz zur klassischen Arbeit von Cawood und Howell [3] kommen die Autoren zu dem Schluss, dass sich die Kieferhöhlenvolumina im posterioren Anteil nach Zahnverlust vergrößern [2]. Die Analyse ergab auch, dass diese „Pneumatisierung“ mit dem Altern fortschreitet. Insofern könne eine frühzeitige Implantation, gegebenenfalls in Kombination mit Sinusbodenaugmentation, zukünftige Knochenverluste vermeiden helfen. Das gelte auch für daraus folgende Probleme mit späterer Implantation. Das neue Messverfahren könne zudem nutzenbringend in implantologische Planungsprogramme integriert werden.

In einer anderen Publikation wird der maxilläre Knochenverlust im Bereich der posterioren Kieferhöhlen dagegen allein auf den extraktionsbedingten alveolären Abbau zurückgeführt [4]. Eine Arbeitsgruppe der Universitäten Bern (Abteilung für Oralchirurgie und Stomatologie) und Hong Kong (Orale und Maxillofaziale Radiologie) untersuchte dafür je 50 bezahnte und unbezahnte Kieferhöhlen und analysierte die Daten mit einer speziellen Software.

Das durchschnittliche Volumen war zwischen beiden Gruppen statistisch nicht unterschiedlich. Dies könnte aber nach den Autoren der zuerst diskutierten Studie auf einer zu kleinen Stichprobe und altersmäßig ungeeigneter Gruppenverteilung der jungen und der zahnlosen Probanden beruhen [2].

Literatur

1. Tan WL, Wong TLT, Wong MCM, Lang NP. A systematic review of post-extractional alveolar hard and soft tissue dimensional changes in humans. Clin Oral Implants Res 2012; 23:1-21.
2. Gerken U, Esser F, Möhlhenrich SC, Bartella AK, Hölzle F, Fischer H, et al. Objective computerised assessment of residual ridge resorption in the human maxilla and maxillary sinus pneumatisation. Clinical Oral Investigations 2020; 24:3223-3235.  
3. Cawood JI, Howell RA. A classification of the edentulous jaws. International journal of oral and maxillofacial surgery 1988; 17:232-236.  
4. Schriber M, Bornstein MM, Suter VGA. Is the pneumatisation of the maxillary sinus following tooth loss a reality? A retrospective analysis using cone beam computed tomography and a customised software program. Clinical Oral Investigations 2019; 23:1349-1358.

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