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Die richtige Berufswahl

Mach das, was du kannst!

Junge Frau denkt über Berufsmöglichkeiten nach.
Adobe Stock, Pixel-Shot

Die Frau geht gern shoppen, kann gut zuhören und hat Schwierigkeiten rückwärts einzuparken – typisch! Der Mann liebt Fußball, interessiert sich für Technik und telefoniert nicht so gerne – typisch! Diese und viele weitere Klischees sorgen schnell für Vorurteile und klassisches Schubladendenken – auch in der Berufswelt. Aber kann man immer so pauschal sagen: „Das ist ein typischer Männer- bzw. ein typischer Frauenberuf“?

Ein schwieriges Thema, denn selbstverständlich gibt es klare – vielleicht auch typische – Unterschiede zwischen Männern und Frauen und auch gewisse Stereotype. Trotzdem sollte man sich seinen Traumberuf nicht ausreden lassen, nur weil dieser nicht ins Bild der Gesellschaft passt. Hier lautet die Devise: Mach das, was du kannst! Allerdings stimmen die persönlichen Interessen nicht immer mit den tatsächlichen Fähigkeiten überein. Deshalb sollte jeder für sich selbst entscheiden und sich fragen: Worin bin ich begabt? Was ist mein Talent?

Aber was sagen die anderen über mich?

Traditionelle Vorstellungen von Familienangehörigen und Betrieben können junge Menschen verunsichern. Sobald sie einen Beruf des anderen Geschlechts erlernen möchten, werden sie teilweise belächelt und womöglich in etwas hineingeredet, was gar nicht zu ihnen passt. Und was passiert dann? Sie fangen an zu zweifeln und verlieren an Selbstvertrauen, sodass am Ende sogar die eigene Selbstwahrnehmung darunter leiden kann. Viele probieren einzelne Berufsfelder erst gar nicht aus, obwohl sie eigentlich ziemlich gut darin sind. Und das nur, weil der jeweilige Beruf als typischer Frauen- bzw. Männerberuf wahrgenommen wird.

„Lern mal lieber was Gescheites!“ oder „Wenn du mit der Schule fertig bist, dann steigst du ins Familiengeschäft ein!“ – Zahnarztpraxen, Bäckereien oder andere Familienbetriebe werden immer noch gerne von Generation zu Generation übergeben. Viele Teenager haben dadurch gar keine andere Wahl mehr über den eigenen Traumberuf nachzudenken, sondern sehen sich in der Pflicht, den Betrieb der Eltern weiterzuführen. Ist das vernünftig, wenn die Kernkompetenzen doch eigentlich woanders liegen?

Menschen sind anders als Klischees

Geschlechterklischees wirken sich nicht nur darauf aus, wie andere Menschen uns wahrnehmen, sondern auch darauf, wie wir uns selbst sehen. Interessiert sich ein Mann beispielsweise für Mode und geht gern shoppen, dann heißt es schnell „Der ist doch bestimmt schwul“. Oder schminkt sich eine Frau etwas stärker und gibt hobbymäßig Beautytipps, hat sie garantiert keine Ahnung von Technik oder keine Führungsqualitäten. Das menschliche Gehirn funktioniert so und Vorurteile sind auf Knopfdruck gefällt – wenn auch unbewusst und unabsichtlich. Aber woher wissen wir, dass es tatsächlich so ist? Kann ein männlicher Zahnarzt die Praxis effizienter führen als eine Zahnärztin? Sind weibliche ZFA besser für den Beruf geeignet als ein männlicher ZFA? Ist ein männlicher ZFA immer automatisch homosexuell? Jeder Mensch ist individuell und hat gewisse Stärken, die er ausleben sollte. Eine Praxis kann nur profitieren, wenn sie Diversität zulässt, gemischte Teams bildet und unterstützt.

Der Wandel kommt

Immer mehr Frauen klettern die Karriereleiter hoch und nehmen Führungspositionen ein. Und das Interesse wird früh geweckt: Laut der ApoBank-Studie sind mehr als 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen, und in der Pharmazie sind es sogar mehr als 70 Prozent.

Und schauen wir uns das Berufsbild der ZFA genauer an, dann ist auch hier ein Trend festzustellen: Der Anteil an männlichen ZFA-Azubis hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre fast versiebenfacht. Im Jahr 2008 machten lediglich 45 Männer eine ZFA-Ausbildung und 2018 gab es immerhin schon 333 männliche Azubis. Spezielle Tage wie der „Boys Day“ sollen Schülern die Möglichkeit geben, typische Frauenberufe wie diesen kennenzulernen. Darüber hinaus können auch psychologische Berufsberatungen helfen oder – ganz einfach: viel ausprobieren und Praktika machen.

Hat man seinen Traumberuf also gefunden und ist gut, in dem, was man da tut, dann sollte man sich nicht beirren lassen. Schubladendenken war gestern. Heute heißt es: Sei offen für Neues und mach das, was du kannst und dich langfristig glücklich macht!

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