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Der Kommentar

Es geht auch mal ohne HKP, aber nicht ohne Solidarität

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick
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Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Vergangene Woche war ich am Verlagssitz des Zahnärztlichen Fach-Verlags in Herne, als etwa 90 Minuten lang in der ganzen Stadt der Strom ausfiel. In der Haranni Academie und in der Praxis des ZFV-Geschäfts­führers Dr. Ingo Paeske ging erst mal gar nichts mehr. Nach 90 Minuten war der Spuk dann vorbei.

Ganz anders sieht es in vielen der von der Flutkatastrophe Mitte Juli betroffenen Zahnarztpraxen aus – dort ist der Spuk auch mehr als vier Wochen nach der Flut noch nicht vorbei. Das verheerende Hochwasserereignis hat zahlreiche Zahnärztinnen und Zahnärzte an den Rand ihrer Existenz gebracht – von schweren Schäden an wichtigem Praxisequipment bis hin zum Totalverlust der Praxis inklusive der kompletten Praxisausstattung.

Redakteurin Birgit Strunk war eine Woche nach der verheerenden Flut in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu Besuch bei Zahnärztin Silke Hersey, deren Praxis vier Jahre nach Eröffnung jetzt nur noch eine Ruine ist – dort ist an Behandlungen vorerst gar nicht mehr zu denken. Trotzdem denkt die Zahnärztin nicht ans Aufgeben und setzt mutig alles daran, weiterzumachen.

Viele Prothesen sind verloren gegangen

Auch die Redakteure Brigitte Dinkloh und Dr. Helge David waren nach der Flut vor Ort in Ahrweiler, um mit einer betroffenen Zahnärztin zu sprechen. Dr. Heike Rump-Schaefer hat es mit bemerkenswertem Improvisationsgeschick – und der Unterstützung von Kollegen – geschafft, einen Notbetrieb in ihrer Praxis aufzunehmen. Und Arbeit ist genug da: Prothesen sind verloren gegangen, müssen zeitnah ersetzt werden, wie das Beispiel der 72-jährigen Patientin zeigt.

Die Bei­spiele aus den Praxen von Heike Hersey und Dr. Rump-Schäfer machen trotz der Katastrophe zuversichtlich, denn sie zeigen eindrucksvoll, wie groß die Hilfs­bereitschaft unter den Kolleginnen und Kollegen ist – von der Bereitstellung dringend benötigten Equipments bis hin zum Angebot, Praxisräume tageweise von noch heftiger betroffenen Kolleginnen und Kollegen nutzen zu lassen. Die Beispiel lassen auch erahnen, wie viel Mut nötig ist, um angesichts solch verheerender Schäden noch mal ganz von vorne zu beginnen, den Neustart zu wagen.

Pragmatisches Handeln der Krankenkassen

Erfreulich ist, dass trotz der immer wieder (zurecht) beklagten überbordenden Bürokratie manches doch uner­wartet schnell und unbüro­kratisch geregelt werden kann, seien es die von der KZV Rheinland-Pfalz zügig zur Verfügung gestellten mobilen Kartenlesegeräte oder auch das pragmatische Handeln der Krankenkassen, die dringend nötige Behandlungen auch mal ohne HKP möglich machen.

Es wird noch viel Zeit vergehen, bis der Betrieb in den durch die Flutkatastrophe beschädigten oder komplett vernichteten Praxen wieder reibungslos laufen wird. Zu hoffen ist, dass Versicherungsgelder und Hilfsgelder ebenso schnell und reibungslos und mit dem gerade eben nötigen Quantum Bürokratie da ankommen, wo sie jetzt am dringendsten gebraucht werden. Um die Zeit bis zum Eintreffen finanzieller Hilfen zu überbrücken, ist aber auch weiterhin die Solidarität der Kollegenschaft gefragt. Deshalb appellieren Kammern, KZVen und das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) weiterhin an die Zahnärzteschaft, sich an dem gemeinsam ins Leben gerufenen Spendenaufruf „Flutkatastrophe“ zu beteiligen.

Folgen der Flutkatastrophe gemeinsam meistern

Jetzt heißt es, zusammenstehen und die Folgen der Flutkatastrophe gemeinsam meistern. Dafür sind die Mithilfe und das Engagement aller Zahnärzte gefragt. Auch wenn das Flutereignis jetzt schon ein paar Wochen zurückliegt, ist es keineswegs zu spät, mit einem Spendenbeitrag die Existenzen von Kolleginnen und Kollegen zu retten – und die Versorgung zu sichern.

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