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Zahn der Zeit

Am 13. Mai 2023 schien die Sonne in der bayerischen Hauptstadt, und im Zahnärztehaus München fand die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) statt.

DGAZ-Jahrestagung: Seniorenzahnmedizin als Thema der Zukunft

Und sie war gut besucht. Dennoch scheint der Bereich Seniorenzahnmedizin immer noch ein Nischenbereich für viele praktizierende Zahnärzte zu sein. Warum sich das ändern sollte, legte Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, nach den einleitenden Grußworten von Prof. Dr. Ina Nitschke, Präsidentin der DGAZ, von Dr. Dr. Frank Wohl, Präsident der bayerischen Landeszahnärztekammer, und von Dr. Cornelius Haffner, wissenschaftlicher Leiter der Jahrestagung, mit einem beeindruckenden Zahlenwerk rhetorisch gewohnt brillant dar.

Ethische Herausforderung und wirtschaftliche Chance

Der demografische Wandel ist heute schon deutlich spürbar. Gab es 1999 gut zwei Millionen Pflegebedürftige, sind jetzt bereits etwa fünf Millionen. Das Statistische Bundesamt geht von 5,6 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2035 und 6,8 Millionen im Jahr 2055 aus. Der Anteil der über 75-jährigen GKV-Versicherten stieg von 8,3 Prozent im Jahr 2002 auf jetzt 11,5 Prozent. Rund eine Million Pflegebedürftige leben in den derzeit gut 16.000 Pflegeheimen. 6.640 davon haben einen Kooperationsvertrag – das bedeutet, es können 41 Prozent der in den Pflegeheimen lebenden Pflegebedürftigen zahnärztlich versorgt werden. 56 Prozent der Pflege findet zu Hause durch Angehörige statt, 24 Prozent werden zu Hause durch einen Pflegedienst versorgt.

Die Zahlen zeigen deutlich, dass die zahnärztliche Versorgung vor einer immensen ethischen Herausforderung steht, die auch eine wirtschaftliche Chance beinhaltet.

Die Auswirkungen des  GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes

Mit dem GKV-FinStG wurden die zahnärztlichen Leistungen budgetiert. Die Ausnahme von der Regel sind „Leistungen zur Behandlung von Parodontitis für Versicherte, die einem Pflegegrad nach Paragraf 15 des Elften Buches zugeordnet sind“. Dieses politische „Feigenblatt“, wie Hendges es nannte, hatte auch Wohl schon in seinem Eingangsstatement kommentiert: „Makaber, aber man muss erst Pflegefall werden, um ohne Budgetierung parodontisch behandelt zu werden.“

Aber damit sind diese Leistungen für Pflegebedürftige nicht limitiert. Das gelte, so Hendges, sowohl für die reguläre Parodontitis-Versorgungsstrecke als auch für die bedarfsgerecht modifizierte Parodontitis-Behandlungsstrecke für vulnerable Gruppen. Letztere umfasst:

  • Parodontitisstatus/Befund
  • Behandlung mittels antiinfektiöser
  •      Therapie (AIT)
  • ggf. Behandlung mittels chirurgischer Therapie (CPT)
  • Leistungen im Rahmen der UPT: Messung der Sondierungstiefen sowie Erhebung von Sondierungsbluten, subgingivale Instrumentierung an den betroffenen Zähnen, vollständige supragingivale und gingivale Reinigung aller Zähne

Die Zahlen zeigen, dass es durch den demografischen Wandel zu einem Umdenken in den Praxen kommen muss. So kommt Hendges zu seinem Fazit: „Wer nicht erkennt, dass man sich auch mit dieser Gruppe in der Praxis beschäftigen sollte, der verkennt die Entwicklung der nächsten Jahre.“ Seniorenzahnmedizin ist das Zukunftsthema der kommenden Jahre.

Die DGAZ-Befragung unter seinen Mitgliedern zum Thema zeigt aber, dass dieses Zukunftsthema noch nicht wirklich im Alltag angekommen ist. Lediglich 13 Prozent der Befragten gaben an, im Studium Vorlesungen zur „Seniorenzahnmedizin“ gehört zu haben. Da ist Luft nach oben.

Patient und Praxis

Auch das wissenschaftliche Programm der DGAZ-Tagung war gewohnt abwechslungsreich von Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der BZÄK sowie Vizepräsident der DGAZ, und Dr. Cornelius Haffner vom städtischen Klinikum München Harlaching zusammengestellt. 

So kritisierte etwa Prof. Dr. Dr. Matthias Folwaczny vom Klinikum der Universität München in seinem Vortrag „PAR-Richtlinie neu – Wie macht die verkürzte Versorgungsstrecke für den Pflegepatienten Sinn?“, dass hier die PZR nicht im GKV-Leistungskatalog enthalten sei, der Recall bereits nach 2 bis 2,5 Jahren ende. Prof. Dr. Cornelia Frese vom Universitätsklinikum Heidelberg kam auf ihre Frage „Prävention auf Vorrat – Ist das überhaupt möglich?“ zu dem Schluss, dass es nicht möglich sei, jedoch Lernen und Handeln auf Vorrat. In diese Richtung geht auch das bayerische Projekt „Landesarbeitsgemeinschaft Pflege“ (LAPG), das ihr Geschäftsführer und Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Sven Tschoepe, vorstellte. Ziel der LAPG ist es das Thema „Mundgesundheit in der Pflege“ als festen Bildungs-Baustein in der generalistischen Pflegeausbildung zu etablieren und auch die Schulung der pflegenden Angehörigen zu institutionalisieren.

Das Wort „Alterszahngesundheit“ hat es zwar in den Koalitionsvertrag der Ampelregierung geschafft, Taten sind dem aber bislang nicht gefolgt.

Eine graphische Darstellung, die einen großen Backenzahn zeigt, der von zwei Frauen und zwei Männern versorgt wird

Zur Erhaltung der Mundgesundheit im Alter bedarf es noch neuer Versorgungs- und Bildungsstrukturen.