Anzeige

Premium Article

Premium Article
0

Advertorial

Advertorial
0
Wo bleiben die Traktoren der Zahnärzteschaft?

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick


Deutschland befindet sich im Streit- wie im Streikmodus gleichermaßen. Berufsgruppen wie die Ärzte- und Zahnärzteschaft zumindest im Protest-Modus – Streik ist hier keine Option.

Lok-Führer streiten für mehr Geld und stellen die Geduld von Bahnreisenden immer wieder auf die Probe. Die Landwirte (und solidarisch auch die Spediteure) wehren sich mit massiven Protestaktionen gegen die Streichung von Steuervergünstigungen und blockieren Straßen und Autobahnen mit ihren landwirtschaftlichen Maschinen.

Während für die Ärzteschaft ein Streik qua Gesetz keine Option ist, stattdessen Praxisschließungen beziehungsweise verlängerte Weihnachtsferien das einzige Mittel des Protests sind, setzt die Zahnärzteschaft auf die Initiative „Zähne zeigen“ und trägt die Diskussion um die Zumutungen der Gesundheitspolitik in die Praxen, macht das Behandlungszimmer zum politischen Raum, zeigt den Patienten auf, wohin die Reise geht, wenn nicht umgesteuert wird. Ein weniger schlagzeilenträchtiger Ansatz, der aber ebenfalls Wirkung zeigen dürfte, wenn auch langsamer und weniger drastisch als beispielsweise geschlossene Praxistüren.

Eine Reaktion des Bundesgesundheitsministers bleibt bisher aus

So weit, so schlecht. Denn so klug die Initiative „Zähne zeigen“ auch konzipiert ist, so unbeeindruckt zeigt sich offenbar der Bundesgesundheitsminister. Dialog? Immer noch Fehlanzeige. Längst überfällige Zugeständnisse wurden zuletzt dem Hausärztebereich gemacht. Hier zeichnet sich ab, dass eine Abkehr (mit einer von vornherein eingebauten Verzögerungsphase) von der strikten Budgetierung im Bereich des Möglichen liegt. Immerhin ein erster Erfolg, da geht also was.

Das ist gut für die Hausärzte, aber leider nicht für sämtliche Facharztgruppen, inklusive der Fachärzte für orale Medizin, die in der Reihe weiter hinten stehen. Die Zahnärzteschaft geht bislang nicht nur leer aus, sie wurde wie die Fachärzteschaft (noch) gar nicht gehört. Deshalb sind die Forderungen von KZBV, FVDZ und anderen nach einem Dialog gerechtfertigt, wäre es ein konstruktiver, umso besser.

Denn auch wenn es beim Zahnarzt selten um Leben oder Tod geht, sind die Auswirkungen einer schlechten oralen Gesundheit auf die Gesundheit als Ganzes auf lange Sicht nicht wegzudiskutieren. Was heute nicht therapeutisch angegangen wird, wird morgen zu einem Problem für die Gesundheit. Und dann wird es richtig teuer für die Solidargemeinschaft.

Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands tritt mit Forderungen an die Politik heran und verlangt, der Bundesgesundheitsminister möge endlich „die nachhaltige finanzielle Stabilisierung der GKV auf die Prioritätenliste nehmen“ – und zwar die Einnahmen- wie die Ausgabenseite gleichermaßen. Damit würde immerhin eine essenzielle Voraussetzung geschaffen, die Budgetierung ein für alle mal abzuschaffen – überall.

Noch bekommen die Beitragszahler für immer mehr Geld allerdings immer weniger an Leistung für ihr Geld. Wie viel weniger das ist, zeigt ein Blick auf die KZBV-Zahlen zur Versorgungssituation im Bereich Parodontitistherapie. Die Zahl neuer Behandlungsfälle illustriert, wie massiv die Auswirkungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes ausgerechnet bei dieser „Volkskrankheit“ sind.

Die wenigsten Zahnärzte oder Zahnärztinnen werden einen Traktor besitzen, und deren Nutzen für die Praxis dürfte überschaubar sein.

Aber so, wie die Traktoren der protestierenden Landwirte maschinengewordener Ausdruck des Protests geworden sind, muss es der Zahnärzteschaft gelingen, ähnlich plakativ, nachvollziehbar und eindrücklich Fahne zu zeigen für eines der wichtigsten Dinge des Lebens: orale Gesundheit und damit Gesundheit überhaupt.

„Zähne zeigen“ ist ein guter Anfang, jetzt braucht es Ideen für noch mehr Biss.