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Impfung für alle, Impfung durch alle
Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Von Chefredakteur Marc Oliver Pick

Impfen, impfen, impfen, das ist das Gebot der Stunde. Die Vertreter der Zahnärzteschaft, Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, ­haben erneut ein starkes Signal in Richtung Politik gegeben und bekräftigt, man stehe bereit, um die Impfkampagne dort zu unterstützen, wo Bedarf besteht.

Dieses mittlerweile auch von der Politik wahrgenommene Signal soll nun nach Beschlüssen der Gesundheitsminister der Länder vom 29. November umgesetzt werden und neben Ärzten sollen auch Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker und Pflegefachkräfte in Pflegeeinrichtungen in den Kreis der Impfberechtigten aufgenommen werden.

„Apotheken und Zahnärzte ins Boot zu holen, ist eine vollkommene Absurdität“

Das sehen Ärztevertreter allerdings komplett anders – und äußern die Kritik an diesem Vorhaben mit vergleichsweise drastischen Worten. So sagte Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, Anfang Dezember: „Apotheken und Zahnärzte ins Boot zu holen, ist eine vollkommene Absurdität. Weitere Bezugsberechtigte beschleunigen die Impfkampagne nicht, sondern verzögern sie eher.“ 

Politische Pläne, „das Impfen unter anderem auf die Apotheken auszuweiten, sei ein reines Ablenkungsmanöver, um das eigene Versagen zu kaschieren und ein Schlag ins Gesicht für alle Praxen und Impfzentren.“

„Wir stehen schlichtweg mit leeren Händen da“

In etwa dieselbe Kerbe schlägt Dr. ­Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der das Impfen als originär ärztliche Aufgabe verstanden wissen will. „Wem hilft es, wenn wir Vertragsärzte mit Apothekern, Zahn- und von mir aus auch noch Tierärzten um nicht vorhandenen Impfstoff konkurrieren? Wir stehen schlichtweg mit leeren Händen da.“ Offenbar sehen sich die Ärzte von der Politik durch die Pläne zur Erweiterung des Kreises der Impfberechtigten als zu langsam diffamiert, machen als wahre Ursache aber Probleme bei der zur Verfügung stehenden Menge an Impfstoff und dessen Verteilung aus. 

Es sei wieder einmal zu wenig Impfstoff vorhanden, die von niedergelassenen Ärzten bestellten Mengen kämen erst gar nicht in den Praxen an. Von 6,5 Millionen georderten Biontech-Impfdosen seien nur 2,5 Millionen
geliefert worden, und auch beim Moderna-Impfstoff komme es zu Kürzungen bei den Liefermengen.

Kein Vordrängen, sondern Bereitschaft zu helfen

Im Klartext also in etwa: Wir haben nichts gegen mitimpfende Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker, aber wir haben sowieso zu wenig Impfstoff. Andererseits geht es gar nicht darum, dass Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker sich vordrängen und um jeden Preis mitimpfen wollen. Nein, sie zeigen die Bereitschaft, falls notwendig, ihren Teil zur dringend erforderlichen Beschleunigung der Impfkampagne beizutragen, und zwar nicht in der Zahnarztpraxis, sondern zunächst da, wo es sinnvoll ist.

In der gemeinsamen ­Position von BZÄK und KZBV heißt es ausdrücklich, Zahnärzte und ihre Teams seien selbstverständlich bereit, bei der notwendigen Beschleunigung der Impfungen ärztliche Kollegen zunächst in externen mobilen Einheiten, Arztpraxen und Impfzentren zu unterstützen. Ein systemisches Tätigwerden der Zahnärzteschaft zur Unterstützung der Impfkampagne sei „ausdrücklich nicht in Konkurrenz zur Ärzteschaft“ zu ver­stehen. Geht's noch deutlicher?

Erst müssen gesetzliche Grundlagen geschaffen werden

Bis es losgehen kann, müssen ohnehin erst gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, haftungsrechtliche Fragen und Meldemöglichkeiten ans RKI geklärt sein. Bis es damit so weit ist, sollten auch aus­reichende Mengen Impfstoffe und eine angepasste Logistik vorhanden sein.

Es geht, liebe Ärzte, nicht darum, je­mandem etwas wegzunehmen, sondern zu helfen, wo es nötig ist, und zu helfen, soweit es möglich ist. Immerhin geht es um die Erreichung des Ziels, bis Jahresende 30 Millionen Impfdosen in die Arme zu bringen. Es geht nicht darum, dass die Ärzte zu langsam seien, es geht darum, noch mehr Tempo zu machen.